Mit seinem Vermächtnis „Ein anderes Israel“ hat es sich Harvey Pekar nicht leicht gemacht. Die Überlegungen des säkularen jüdischen Comic-Autoren zu Israel hat JT Waldman grafisch umgesetzt, ihre Zusammenarbeit ist zugleich die Rahmenhandlung: Sie recherchieren in Archiven und lassen dabei die Geschichte des jüdischen Volkes von Abraham bis zur Gegenwart Revue passieren. Dabei zeigen sie in Anbetracht dieser Geschichte großes Verständnis für die Idee des Zionismus, der auch Pekar einst treu war, in den späten 60er Jahren aber von der Ideologie abrückte und genauer hinsah. Ein diskursives Buch, mit dem Pekar alle Tretminen meidet und doch ehrlich und deutlich nachdenkt über den Israel-Palästina-Konflikt (Splitter). Joe Sacco nimmt sich in „Bumf“ die USA vor, ist aber bei aller Versiertheit in Bezug auf historisch-politische Fakten extrem polemisch. Innen- und Außenpolitik der USA werden in einem Alptraum, der an Hieronymus Bosch erinnert, durch den Kakao gezogen. Die Stories stammen aus den Jahren 2006 bis 2014 – auch Obama bekommt sein Fett weg (Edition Moderne).
Natacha Bustos und Francisco Sánchez beschäftigen sich mit dem Russland der 80er Jahre. Anhand von drei Generationen erzählen sie anschaulich, was es bedeutet hat, während des Reaktorunfalls im Frühling 1986 in „Tschernobyl“ gelebt zu haben. Die Großeltern leben auf dem Land, dass sie trotz Evakuierung nicht verlassen, während Vladimir und die schwangere Anna mit ihrem Sohn in der 50.000-Einwohner-Trabantenstadt Prypjat leben. Als das Unglück geschieht, ist Vladimir im Reaktor, wenige Tage später wird die gesamte Stadt evakuiert. Doch die Informationen von Regierungsseite kommen spät und verfälschend. In rohen Schwarzweisszeichnungen vermitteln Bustos und Sánchez eine auf viel Recherche aufbauende, sehr anschauliche Geschichte (Egmont).
K. ist frisch getrennt und möchte erstmal in Ruhe leiden. Doch sein Mitbewohner schlägt ihm eine Dating-Platform vor, denn da hätte man dann wenigstens noch Sex. Für K. beginnt ein rauschhaftes Jahr mit unzähligen und immer unverbindlicheren Kontakten, die enorme sportliche Züge annehmen, aber eine immer größere Leere in Ks. Seele reißen. Was in Kurzform wie eine vorhersehbare Kritik zeitgeistiger Oberflächlichkeit erscheint, ist bei aller Offensichtlichkeit äußerst souverän erzählt. Der in New York lebende israelische Zeichner Koren Shadmi beherrscht das Medium nicht nur erzählerisch: Seine Farbzeichnungen sind aufwändig und detailreich, so dass es eine Freude ist, seinem Helden in „Love Addict“ in den Abwärtsstrudel seiner Seele zu folgen (Egmont). Abwärts geht es auch mit Selma, als sich Max von ihr trennt. Die deutsche Autorin und Zeichnerin Aisha Franz erzählt in ihrem neuen Comic „Shit is real“ von einer jungen Frau, die zunehmend den Halt in einer Welt verliert, die sich wiederum in oberflächlichen Attitüden genügt. Franz siedelt ihre Geschichte in einer nahen Zukunft an, die mit ihrem extremen New Wave-Touch aber genauso gut eine futuristische Vergangenheit sein könnte. Zeit ist hier aber sowieso genauso ungreifbar wie Beziehungen, wie Persönlichkeiten, wie Orte. So taumelt auch die Protagonistin zwischen den Orten und Identitäten wie durch einen wattigen Traum, der sich dann noch mit ihren echten Träumen vermischt. Eine berührende Geschichte mit permanent unangenehmem Unterton. David Lynch – Verfilmung bitte (Reprodukt).
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