Ein Architekt als Maler: Die Regie der Ausstellung, die im Von der Heydt-Museum zu Franz Krause zu sehen ist, erklärt einiges. Sie beginnt mit seiner Rolle als „dritter Mann“ im Künstlerkreis um den Wuppertaler Lackfabrikanten Kurt Herberts. Als die renommierten Künstler Willi Baumeister und Oskar Schlemmer im Dritten Reich mit Ausstellungs- und Arbeitsverbot belegt wurden, ermöglichte ihnen der Unternehmer, im Verborgenen zu arbeiten. Zwischen 1937 und 1944 experimentierten sie in seinem Maltechnikum mit Lack und erarbeiteten eine Reihe theoretischer Abhandlungen. Franz Krause, mit Baumeister seit den 1920er Jahren befreundet und in Wuppertal von 1937 bis zu seinem Tod 1979 lebend, stieß 1939 hinzu.
Aber Krause, der 1897 bei Cuxhaven geboren wurde, war eigentlich Architekt, ausgebildet in Darmstadt und Stuttgart und dort zeitweilig mit der Weißenhofsiedlung befasst. Im Von der Heydt-Museum demonstrieren nun Beiträge auch von ihm die Verbundenheit zu Herberts wie auch die Beschäftigung mit den Möglichkeiten des Lacks. Dazu gehören die Versuchstafeln der drei Künstler, als Leihgaben aus dem Kunstmuseum Stuttgart. Auf diesen kleinen Sperrholz- oder Stahlblechflächen fließt der Lack als Farbe, schwimmt, ist in Verdichtung und zugleich Auflösung begriffen. Franz Krause selbst sprach von „Form als Ergebnis von Bewegungen“.
Hatte Krause als Architekt ursprünglich mit Geometrien, mit Rastern und Waben gearbeitet, so ist von nun an in seinen Entwürfen und Umsetzungen alles geschwungen, organisch und in Veränderung begriffen. Da ist das Wohnhaus von Kurt Herberts, Haus Waldfrieden – das Tony Cragg vor wenigen Jahren als Teil seines Skulpturengartens erworben und restauriert hat –, dessen Neubau Krause 1947-49 konzipiert und umgesetzt hat. In der Wuppertaler Ausstellung (die sich von hier an ganz auf Krause konzentriert) sind die Grundrisse mit Tusche, Blei- und Buntstiften auf Pergamin zu sehen, mit ausgreifenden Rundsegmenten. Ausgestellt sind auch Krauses Ideenskizzen für einen Neubau des Von der Heydt-Museum auf dem Johannisberg, die aber nicht verwirklicht wurden: eine Vision mit ausschiebbaren Wänden.
Veränderung, Großzügigkeit und Analogien zur Natur – das kennzeichnet auch seine Modelle für Plastiken, die aus den Jahren 1967 bis 1973 stammen und in Lebensgröße für den Stadtraum vorgesehen waren. Krause bezeichnete diese fragilen Körper als „Raumspiele in Styropor“. Im Von der Heydt-Museum nebeneinander auf einer Konsole präsentiert erinnern die porösen, noch mit Farbe versehenen Plastiken bisweilen an Schwämme und zerklüftete Riffe. Tatsächlich hat Krause hier mit einfachen Mitteln ein Repertoire modellhaft erkundet und durchgespielt. Damit korrespondieren im Grunde die Bilder, die er auf Papier oder Karton unter der Prämisse des Experiments erstellt hat – die wirklich keine Möglichkeit auslassen und doch äußerst verdichtet bleiben, nie ausschweifend sind. Sie beinhalten das Indirekte der technischen Vorgaben und lassen den Zufall zu. Krause entwickelt seine Bilder aus Verläufen in Abklatschverfahren wie auch mit Tropfmaßnahmen, mit Spritztechniken und Stempelungen, als Brandcollage, mit der Anmutung von Aquarellen mit schwellenden pflanzlichen Körpern aus dem Geist der informellen Malerei dieser Jahre. – Diese Ausstellung stand nicht auf der Rechnung: Aber unter der Vielzahl guter Ausstellungen, die das Von der Heydt-Museum in den letzten Jahren durchgeführt hat, ist diese – ganz unspektakulär – eine der besten.
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