Im tiefen dunklen Forst steht ein riesiger roter Kubus auf einer Lichtung. Trompetenförmige Öffnungen führen in ein Inneres, dessen Eingang erst einmal verborgen bleibt. Nein, die Borg sind nicht gelandet. Der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zeigt noch bis Neujahr Werke des indisch-britischen Bildhauers Anish Kapoor und sein monströses Werk „Sectional Sectional Body preparing for Monadic Singularity“ (2015) scheint aber doch irgendwie etwas mit kosmischen Begebenheiten zu tun zu haben. Betritt der Besucher das Innere des Kubus scheinen dort Wurmlöcher, also Einstein-Rosen-Brücken, zwei Punkte im Raum-Zeit-Gefüge zu verbinden. Für die Assoziation brauchte ich im architektonischen Skulpturen-Gebilde aus PVC und Stahl, Kapoor nennt sie auch „Non-Objects“, nur Star Trek-Millisekunden. Schließlich hat der Künstler vor Jahren ja auch schon ein schwarzes Loch im Museum kreiert.
Doch das riesige Nicht-Objekt des in Mumbai geborenen, aber bereits seit Jahrzehnten in London ansässigen Bildhauers , ist kein Solitär in seiner „Skulpturen“-Ausstellung auf dem Gelände seines Jugendfreundes Tony Cragg, der dort immer wieder international bekannten Kollegen ein Präsentations-Forum bietet und im Park schier endlos und extrem abwechslungsreiche Plastiken aufgestellt hat. Allein der Rundgang ist eine dreidimensionale Offenbarung der Zeitgenössischen Kunst. Doch zurückgewandert zum Turner-Preis-Trägers (1991) Anish Kapoor und hinein in die rötlich schimmernde Glashalle direkt hinter dem Eingang. Die Farbe nimmt innen an Intensität zu. Fünf blutige Szenerien füllen den Raum. Ich schau dann doch noch einmal auf die Beschilderung. Tatsache: hier wütete nicht der gerade verstorbene Wiener Aktionist Hermann Nitsch (1938-2022) in seinem Orgien Mysterien Theater, hier klebt kein echtes Stierblut an den Plastiken und Installationen, hier hat Anish Kapoor lediglich Farbe und Kunststoff verarbeitet um selbst ein grausiges Schauspiel zu inszenieren. Wandern wir also durch die blutüberströmte „Treshold Door“ (Holz und Harz, 2019) mit ihren sechs Abflussrinnen an der Schwelle und geben wir uns mit den anderen, doch sehr stillen Besucher:innen auf die Reise durch die Abgründe des Gestalters.
Überall scheinen Relikte menschlicher Überreste unter den Oberflächen zu lauern – in einer Ecke der Installation „Dumped“ (dt. „Abgeladen“, Stahl und Silikon, 2020) mag man die Teile erst gar nicht zusammendenken. Auf dem dreistöckigen „Table of Law“ (Stahl, Leinwand, Silikon und Pigment, 2020-2021) glaube ich eine Art liegende Pietà erkennen zu können, doch was das mit Gesetzesbüchern zu tun hat, möchte ich erst gar nicht weiterdenken. Die letzten Arbeiten sind ein blutiges Kleid („Robe“, mixed media und Leinwand, 2012) und ein undefinierbarer roter Gaze-Klumpen „Shade“ von 2016. Der hat mehr mit dem Abformen eines Meteoriten zu tun, als mit Kapoors Shade-Nanofarbe Vantablack, dem schwärzesten Schwarz aller Zeiten.
Anish Kapoor | bis 1.1.23 | Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal | 0202 47 89 81 20
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