Michael Heupel, Tobias Herzog, Christian Thomé, Benjamin Schaefer (v.l.)
Hartmut Sassenhausen

Rieselnde Kieselsteine

05. Dezember 2025

Benjamin Schaefer mit seinem Quartett im Opernhaus – Musik 12/25

Nach solch einer Quartettbesetzung sucht man wohl wie nach der Nadel im Heuhaufen: Flöte, Bassposaune, Keyboard und Schlagzeug. Fündig kann man im Kronleuchterfoyer des Opernhauses werden. Denn dorthin ist im Rahmen der Reihe Jazzfoyer Benjamin Schaefer gekommen. Das vor zwei Jahren erschienene Album „Stone Flowers“ (Steinblumen) hat der Jazzpianist und Komponist mitgebracht, mit eigenen Werke für diese – auf dem Gebiet jenseits der zeitgenössischen klassischen Musik außergewöhnlichen – Instrumentenkombination. Deshalb sind drei erstklassige Musiker mitgekommen, um sie gemeinsam mit ihm zu präsentieren.

Der Name des Albums und des Quartetts beruht auf der LP „Stone Flower“ aus dem Jahr 1970, des brasilianischen Musikers Antônio Carlos Jobim (1927-1994), Erfinder des Bossa Nova. Dementsprechend bilden zwei Nummern daraus, „Andorinha“ und das Titelstück, den Rahmen des Schaefer-Programms. Naturerscheinungen, eben die Steinblumen, waren außerdem der Anlass für das Tondokument.

Raum für Improvisation 

Nein, Jazz pur jedweder Form sind die Tonschöpfungen nicht ausschließlich. Sie sind auch gemäß vieler klassischer Techniken verfasst, wie der Umgang mit Harmonien und Rhythmen oder die sich ändernde Verteilung von Haupt- und Nebenstimmen auf die vier Instrumente. Die drei „Spirals“ beziehen sich auf die mathematische Zahlen-Folge der Fibonacci-Reihe. „Severyan's Arrival“ ist inspiriert von dem russischen „Märchen von der Steinblume“, zu dem Sergei Prokofiev die Musik schrieb. Auch auf Ballettmusik des russischen Komponisten ließ sich Schaefer ein. In gewohnte Hörmuster gerät man bei „Lithops“. „Jama“ heißt eine andere Nummer, die von nuanciert-vielschichtigen Klangerzeugungen lebt. „Southern Cross” entstand, als sich Schaefer mit der Molekularstruktur von Diamanten beschäftigte. Streng durchkomponiert sind die Werke nicht. Denn es gibt auch Räume für Improvisationen. Und ab und an muten die Klänge wie aus der Zeit des Jazz der 1970er Jahre an. Kurzum: Die anspruchsvolle Musik teils avantgardistischen Charakters changiert zwischen Jazz und moderner Klassik.

Bunte Klangfarben

Die vier Musiker verstehen es ausgezeichnet, die vielschichtige Musiksprache mit ihren abwechslungsreichen Klängen zu Gehör zu bringen. Der renommierte Flötist Michael Heupel hat mit im Gepäck C- und G-Querflöte, Altflöte und Kontrabassflöte. Er entlockt ihnen vielschichtige, emotionale Töne. Tobias Herzog, ein Spezialist auf dem Gebiet der tiefen Blechblasintrumente, sorgt mit seiner Bassposaune für solide tieftönige Fundamente. Schaefer, der sich mit seinen Werken als ein stilistisch wie handwerklich exzellenter Komponist vorstellt, entlockt seinem Keyboard attraktive Melodien. Last but not least geht Christian Thomé kunstfertig mit seinem Schlagzeug um, behandelt es streckenweise geräuschhaft wie Percussions.

Es wird eine große Palette an bunten Klangfarben kreiert, mit der auf musikalischem Weg impressionistische wie abstrakte, die Natur darstellende Bilder auf Leinwand gebracht werden. Etwa hört sich ein Klanggemälde an wie rieselnde Kieselsteine. Auch die improvisatorischen als Solo oder im Duo, etwa die Korrespondenz zwischen Bassposaune und Kontrabassflöte mit seinem tief-sonoren Sound, werden dieser Haltung voll gerecht.

Das konzentriert zuhörende, zahlreiche Publikum spendet lang anhaltenden Beifall, der in eine Zugabe mündet.

Hartmut Sassenhausen

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