Montag, 9. Februar: Der Verband der Deutschen Filmkritik zeichnet schon seit mehr als 40 Jahren die besten künstlerischen Leistungen der Filme eines Jahres aus, unabhängig von wirtschaftlichen oder brancheninternen Abhängigkeiten. Im Laufe der Zeit hat sich der Berlinale-Montag als gesetzter Termin für die Verleihung der „Preise der Deutschen Filmkritik“ etabliert, deren Betonung cinephiler Leistungen im Jahr 2015 auf mehreren Ebenen zum Tragen kam. Enttäuscht von einigen programmatischen Überlegungen der Berlinale selbst, hatten die Vorstandsmitglieder des Verbandes in diesem Jahr zum ersten Mal eine „Woche der Filmkritik“ ins Leben gerufen. An fast jedem Festivalabend lud man hierbei zu speziellen Filmvorführungen und Diskussionsveranstaltungen in die Hackeschen Höfe ein, wo man zu den unterschiedlichsten Aspekten der Filmkritik mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen suchte. Vorstandsmitglied Dunja Bialas merkte dazu euphorisch an: „Filmkritik ist auf der Berlinale so lebendig wie nie zuvor!“
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Aber natürlich ging es am Abend in erster Linie um die Prämierung der besten deutschen Filme und Einzelleistungen des zurückliegenden Kalenderjahres 2014. Burghart Klaußner („Das weiße Band“) hatte sich abermals dazu bereit erklärt, mit seinem neckischen Charme und einer „billigen 10-Euro-Brille, die aber richtig stylisch aussieht“, durch die Verleihung zu führen. Für den Schauspieler selbst war die Auszeichnung des Ehepaares Erika und Ulrich Gregor mit dem Ehrenpreis einer der emotionalsten Momente des Abends, weil sie ihm in seinem „Filmleben einmal riesig geholfen haben“, als sie die Rollen eines verlorengegangenen Wettbewerbsfilms für ihn über die Touristenklasse hinterher geflogen hatten. Claus Löser würdigte die beiden unermüdlichen Filmliebhaber als „zwei Persönlichkeiten, bei denen Leben und Film eine seltene Symbiose eingegangen sind“. Über mehr als 60 Jahre hätten sie Filme gesammelt, sortiert und ins Gespräch gebracht, sowie innovativen und mutigen Filmemachern wie Tarkowskij oder Jarman überhaupt erst den Weg in hiesige Kinos ermöglicht. Ein weiterer Sonderpreis, verliehen von der Dokumentarfilmjury, wurde dem Filmemacher Heinz Emigholz zugesprochen, der nun nach vierzig Jahren seinen Werkzyklus „Photographie und jenseits“ zu einem Abschluss gebracht hatte.
Als großer Sieger des Abends in den regulären Kategorien ging das zynische Managerkammerspiel „Zeit der Kannibalen“ hervor. Drei von den insgesamt fünf Nominierungen des Films von Johannes Naber wurden schließlich mit dem „Preis der Deutschen Filmkritik“ bedacht. Neben dem Preis für den besten Spielfilm des Jahres 2014 waren dies der Preis für das beste Drehbuch (Stefan Weigl) und der Preis für den besten Darsteller (Sebastian Blomberg). Letzterer gab sich bei der Entgegennahme des Preises äußerst bescheiden: „Ich muss mich eigentlich schämen, dass ich hier alleine stehe. Dieses Kammerspiel wäre nicht denkbar ohne meine Kollegen Devid Striesow und Katharina Schüttler, in denen ich wirklich fulminante Partner hatte.“
Zuvor hatten drei StudentInnen der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) auf der Bühne kurz für Irritationen gesorgt. Sie nutzten die Anwesenheit von hunderten Filmjournalisten und Branchenmitgliedern, um ihrem Unmut über die aktuelle Neubesetzungsdebatte des Direktorenpostens der dffb Luft zu machen. Die Studenten seien aus dem Entscheidungsprozess komplett ausgeschlossen und fordern nun von der Politik, Kino wieder als Kunst zu begreifen und nicht nur nach Marktinteressen und Wirtschaftlichkeit zu schielen. Unterstützung in ihren Forderungen erhielten sie schließlich von Johannes Naber, als der seinen Preis für „Zeit der Kannibalen“ entgegennahm. Er betonte: „Film ist auch eine Kunstform, und eben nicht nur ein Wirtschaftsgut. Das verlieren wir langsam Stück für Stück. In den Fördergremien geht es heutzutage nicht mehr um Kultur, sondern um Wirtschaftserträge.“ Man kann nur hoffen, dass dieser Tendenz, auch durch die Verleihung des „Preises der Deutschen Filmkritik“, ein Stück weit entgegengewirkt werden kann.
Sämtliche Preisträger und Jurybegründungen des Abends finden sich auch online unter www.vdfk.de.
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