Wolfgang Fortners „Bluthochzeit“ ist eine lyrische Tragödie in zwei Akten nach einem Theaterstück von Federico Garcia Lorca. Seit ihrer Uraufführung 1957 in Köln wird das immer noch oft als Schauspielmusik diffamierte Musikwerk selten gespielt. An der Wuppertaler Oper hat Fortners geniale Komposition einen zeitgenössischen Rahmen bekommen, der in einem kargen Bühnenbild das düstere Treiben in Lorcas tragischem Spiel zelebriert.
Das Wuppertaler Sinfonieorchester unter der Leitung von Hillary Griffith ist schemenhaft hinter einer südeuropäischen Häuserfront zu erkennen, die zeitweise die Rückseite der Bühne bildet, auf der Christian von Götz die andalusische Geschichte von Blutrache und Liebe erzählt. Dazu noch ein paar Stühle, deren Beine in Schräglage und zum Teil rückwärts im Boden stecken. Sie scheinen falsch aus der Vergangenheit gebeamt worden zu sein, oder löst sich die Realität langsam auf? Die Musik trotzt locker dem nicht ganz überzeugenden Bild, dessen Oben-Unten-Struktur zwischen Schauspiel und Orchester aber nicht ohne ist.
Über allem liegt eine choreografische Leichtigkeit, die Personenführung ist ausgezeichnet, manche Regieeinfälle passen ins zeitgenössische Konzept. Die Geschichte um eine über Generationen andauernde Familienfehde ist ergänzt um eine Tänzerin, die den von Lorca selbst ins Spiel gebrachten andalusischen Dämon verkörpert, von dem dort alle Leute andauernd sprechen und ihn mit sicherem Instinkt entdecken. Verena Hierholzer hockt also gleich zu Beginn als Braut im weißen Kleid auf dem Rücken der Mutter (Dalia Schaechter), die in der Vergangenheit lebt und den Sohn, der ihr geblieben ist, ins offene Messer laufen sieht. Der will heiraten, doch seine Braut war schon einmal verlobt mit Leonardo, einem aus der Familie Felix, die den Mann und Vater auf dem Gewissen hat. Trotz ihrer düsteren Vorahnungen willigt die Mutter ein und verhandelt die Hochzeit, die dann in einem Fiasko endet. Denn die eigentliche Geschichte handelt von der wahren Liebe zweier junger Menschen, deren Ehe jedoch durch soziale Schranken unmöglich gemacht wurde. Jetzt ist es für alle Beteiligten zu spät, die jungen Männer sterben, die Frauen und Mütter bleiben zurück mit den Dämonen, die sie umgeistern.
Die zentralen Pole in den Stück, Mutter und Braut (Banu Böke) sind auch die stimmlichen Stützen in der Wuppertaler Inszenierung. Schaechters in Jahren gestähltes Mezzo gegen den jugendlichen Sopran von Böke. Diese stimmliche Auseinandersetzung kennt keinen Sieger, wenn auch Schaechter ihren schauspielerischen Part glaubwürdiger in Szene setzt. Auch Mezzosopranistin Joslyn Rechter überzeugt als Magd. Die einzige Männerstimme ist Thomas Laske, dessen Bariton dem Leonardo ab und an auch eine sehr hintergründige böse Note auferlegen kann.
Diesen sehenswerten Abend zum Erlebnis macht aber Wolfgang Fortners Musik, die es in den zwölftonigen Strukturen kaum nötig hat, die arabisch-andalusische Seele überzustrapazieren; selbst der minimale Einsatz von Kastagnetten in der Inszenierung dient eher der geografischen Gedankenstütze in einer eigentlich unverortbaren Geschichte.
„Bluthochzeit“ I 8./17.2. 19.30/18 Uhr I Opernhaus Wuppertal I www.wuppertaler-buehnen.de
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