Mit Auftragsarbeiten zu Inszenierungen wie„Die Odyssee“, „Eleni“, „Steinsuppe“, „Das Goldene Vlies“, „Das Ministerium“ oder „Der Blitz“hat sich das Wuppertaler Schauspiel bereits in der Vergangenheit hervorgetan. Mit neuer Dramatik ebenso. Am 22. März wird „Aus euren Blicken bau ich mir ein Haus“ des Bonner Autoren Thomas Melle – von ihm stammten bereits die Romanvorlagen der Inszenierungen „Eine Billion Dollar“ sowie „Licht frei Haus“ – aufgeführt. Und das ist dann nicht nur eine Uraufführung. Der bereits mit wichtigen Preisen ausgezeichnete Literat, Jahrgang 1976, hat „Aus euren Blicken ...“ eigens für Wuppertal verfasst.
„Thomas Melle hat schon am Theater Erlangen ein Stück für Eike Hannemann geschrieben, „Haus zur Sonne“, das ich dort gesehen habe. So habe ich Thomas Melle kennengelernt“, sagt Intendant Christian von Treskow. Weil der Autor nach seiner Meinung zu „den wichtigsten Autoren seinerGeneration, auch und vor allem als Romanautor“, zählt („wir schätzen dabei besonders seinen Blick auf die Randexistenzen unserer Gesellschaft“), wurde ein Autorenvertrag geschlossen, der besagt, dass für die Spielzeit 2012/13 ein neues Stück geschrieben wird. „Wir haben dem Autor in Zusammenarbeit mit dem Regisseur freie Hand gelassen“, sagt der Intendant. „Die ersten Seiten bekam ich vor einem Jahr zu lesen“, erinnert sich Regisseur Eike Hannemann. Wie beim Pingpong wurden dann gegenseitig Ideen hin- und hergeschickt. Und manches wurde in das Stück eingearbeitet.
Das Theater ist das Leben selbst
Thomas Melle, von Kritikern für „maligne Metaphern“, „hochtourige Metaphorik“ und „Sprachlust“ gelobt, erzählt in seinem aktuellen Stück keine Beziehungsgeschichte. Auch wenn oberflächlich manches danach klingt: Im Zentrum steht das schwule Paar Kevin (Jakob Walser) und Birger (Lutz Wessel). „Wie gesund die Beziehung der beiden ist, sei mal dahingestellt“, meint der Regisseur. Die beiden haben genug vom Leben in der Metropole und ziehen aufs Land. So weit ist das so gut, bis auf dem Nachbargrundstück eine gewisse Dorte Knoten (Anne-Catherine Studer) auftaucht. „Zunächst reagiert vor allem Birger genervt auf sie. Wie sieht sie aus, was macht sie? Aus Neugierde nehmen die Männer Kontakt zu ihr auf.“ Bis zu diesem Zeitpunkt könnte es sich um eine normale Geschichte „normaler“ Menschen handeln. Alle drei repräsentieren ein gewisses szeniges Milieu, ein bisschen crazy zu sein, gehört – natürlich! – dazu. Auch wenn Dorte in einem Nebensatz von sich sagt, sie sei bipolar und Kevin ebenso beiläufig seine latente Depression beschreibt. Auf „merkwürdige Weise“, wie der Regisseur beschreibt, entsteht eine Freundschaft. Die darin mündet, dass Dorte Leihmutter werden soll.
Überraschend und voller Geheimnisse
Das gleißend bunte Jetzt aber ist in seiner Hybris vom Verfall bedroht. Nach einigen schnellen Wendungen lassen die Männer auf dem Höhepunkt einer Eskalation Dorte zwangseinweisen. „Von da ab geht es um die Frage: Ab wann ist jemand krank oder verrückt?“. Dorte, so führt der Regisseur aus, entwickelt Gewaltphantasien. „Was davon echt oder aber fiktiv ist, bleibt unklar.“ In Thomas Melles Text gibt es mehrere Erzählebenen, nämlich realistische Begegnungen sowie Monologe. Ebenso kniffelig wie spannend wird es, weil Rückblicke und Ausstiege für gewisse Verschiebungen sorgen.
Zusammen mit Birgit Stoessel, „wir sind ein eingespieltes Team“, wurde das Bühnenbild, eine gutbürgerliche Fassade im anheimelnden Stil der 50er Jahre, entwickelt. Als „Wohnlandschaft vor Fassade“ beschreibt der Regisseur diesen Retro-Schick und „melancholischen Blick in eine bessere Welt“. An drei Orten spielt die skurrile Geschichte, im pseudo-idyllischen Wohnzimmer der beiden Männer, auf dem Nachbargrundstück, der Brache Dortes, und, ja, wo eigentlich? Einer Anstalt? Wer sich die Inszenierung anschaut, kann sich Fragen nach Psychosen und Projekten vielleicht selbst beantworten.
„Aus euren Blicken bau ich mir ein Haus“ I Uraufführung 22.3. 20 Uhr/26./27.3./5./6./18./26./27.4. I Kleines Schauspielhaus Wuppertal I 0202 563 76 66
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