Freue dich, oh Christenheit. Alle Jahre wieder. Doch am Ende stehen immer Erschöpfung, Familienstreit und defekte Geschenke. Das ist bei Belinda und Neville Bunker nicht anders. Sie haben beim Weihnachtsfest wieder Verwandtschaft und Freunde im Haus, acht Personen, dazu ein unbekannter Schriftsteller. Aus dieser Klientel voll aufgesetzter „Fröhlichkeit“ hat der Brite Alan Ayckbourn eine bereits 1980 uraufgeführte Komödie gebastelt, die den Stress um Heiligabend herum nutzt, um die unter der Oberfläche lauernden Boshaftigkeiten langsam ins heilige Kerzenlicht zu zerren, das inzwischen auch nicht mehr das ist, was es früher einmal war.
Nun ja, die Idee verspricht britischen Witz und Situationskomik. Alle haben irgendeine Macke: Onkel Harvey ist ein überzeugter, aber leider pensionierter Wach- und Schließgesellschaftsangestellter, er hat die Zeit als Mini-Rambo noch nicht vergessen und zur Sicherheit immer einen geladenen Revolver dabei. Nevilles zum Alkohol neigende Schwester Phyllis kommt wie immer mit ihrem megabiederen Ehemann Bernard, der nicht nur ein grauenhafter Arzt, sondern ein ebenso schlechter Marionettenspieler ist, was ihn nicht davon abhält, alljährlich ein neues Stück zum Besten zu geben. Und Nevilles ehemaliger Kompagnon Eddie ist mit seiner hochschwangeren Frau Pattie da. Rachel, Belindas Schwester hat den jungen Schriftsteller Clive Morris mitgebracht, der unfreiwillig die Sippschaften aufmischt. Eigentlich war er als neuer Liebhaber für Rachel auserkoren, doch Hausherrin Belinda lockt ihn in ein ohrenbetäubendes Tête-à-tête unterm Weihnachtsbaum. Das Chaos könnte ausbrechen, doch am nächsten Morgen kommen alle zusammen, als sei nichts geschehen.
Man kann der Inszenierung von Tilo Nest anmerken, wie schwierig es ist, 165 Minuten „Schöne Bescherungen“ halbwegs amüsant zu gestalten. Wie immer bei diesem Stück zieht sich die Handlung wie das Kaugummi, das Belinda immer wieder verzweifelt aus der Auslegware reibt. Viele Charakterzüge, die Ayckbourn seinen Figuren unterschiebt, werden nur angerissen. So scheint es zwischen der schwangeren Pattie und dem Versager Eddie Gewalt in der Ehe gegeben zu haben; der Tatbestand wird zwar anfangs kurz thematisiert, taucht aber irgendwie nie wieder auf. Auch andere Merkwürdigkeiten bleiben bis zuletzt vage, Schmunzler bleiben rar, Lachsalven aus. Das Stück krankt insgesamt an nicht ausreichender Komik, mutiert in weiten Teilen eher zum Trauerspiel, was nicht an den Schauspielern liegt, die sich redlich mühen, den Dialogen und Handlungen noch manchen Witz zu entlocken. Auch das Komödienstadl-Bühnenbild von Bernhard Siegl ist eher aufwändig als aufregend, gewährt einen totalen Blick ins schicke Wohnambiente der Familie Bunker. Nur um den Esstisch ist ein eher schnöder Vorhang gespannt, warum? Keine Ahnung.
Am Schluss will Schreiberling Clive der Szenerie am frühen Morgen entfliehen, wird von Onkel Harvey gestellt und scheinbar erschossen, vom Arzt Bernard für tot erklärt und von Rachel in die Klinik gebracht. Belinda und Neville sitzen erschöpft auf der Treppe. Ein trauriges Bild. Freue dich, oh Christenheit.
„Schöne Bescherungen“ I Sa 7.1., 19.30 Uhr I Oper Wuppertal I 0202 569 44 44
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