Mit seinem „Fliegenden Holländer“ entfesselte er Stürme der Begeisterung: Jakob Peters-Messer. Jetzt inszeniert der Regisseur „Don Quichotte“ von Jules Massenet. Der in Deutschland unterschätzte französische Komponist bewährt sich mit diesem Spätwerk als Musikdramatiker von Rang. „Die Oper steht selten auf den Spielplänen“, weiß Jakob Peters-Messer. Das mag an einem Vorurteil gegenüber der französischen Oper im Allgemeinen und Massenet im Besonderen liegen, vermutet er. Dabei „ist die Oper sehr gut gemacht, Massenet war ein absoluter Profi und dieses Stück ist so etwas wie die Summe seiner Kompositionen. Es ist tolle Musik, ich schätze den Komponisten.“
Nicht allein wegen der Qualität hat Peters-Messer die Oper ausgewählt. In dieser Spielzeit liegt der thematische Schwerpunkt auf Spanien, da hätte man natürlich kurzerhand auch etwas wie „Carmen“ machen können. Hat er aber nicht. Don Quichotte ist die Figur der Weltliteratur der Neuzeit, als eigenartig und durchaus verrückt, vor allem aber als poetisch beschreibt der Regisseur sie. Den „Ritter von der traurigen Gestalt“, Pechvogel oder Clown sieht er wenig in ihm. „Es ist eine idealistische Figur, jemand mit durchaus skurrilen Aspekten. Er hält uns den Spiegel vor, will uns etwas über uns selbst erzählen und Dinge in Frage stellen.“ Klar könne man über ihn lachen, aber das ist eben nur ein Aspekt.
Mutiger Andersdenker
Die Titelfigur, übrigens gesungen von John In Eichen, ist eine mehrschichtige Persönlichkeit. Sie ist Liebhaber – verfällt mit Leib und Seele Dulcinée (Joslyn Rechter) –, Künstler und Dichter, sie hat sowohl religiöse, vor allem stark ausgeprägte soziale Ambitionen und ist am Ende eine tragische Figur, die an einem gebrochenen Herzen zugrunde geht. „Das ist doch durchweg menschlich.“ Das der Don Quichotte im Untertitel „heroisch“ genannt wird, sei mehr als Haltung gegenüber der Umwelt, die ihm einigermaßen feindlich gesinnt ist, zu begreifen. Letztlich ist es das Spiel Gut gegen Böse. Aber das wird beim findigen Jakob Peters-Messer nicht eins zu eins auf die Bühne gebracht.
Traumhafte Bilder
Begeisterte er beim „Holländer“ sein Publikum mit einer leeren Bühne, auf der suggestive Lichteinstellungen für ästhetische Bilder sorgten, gibt es diesmal ein „kleines, weißes Bühnenbild“. Vielleicht ist das ein Zimmer, vielleicht ist es eine Bücherei. In der Welt, in der sich jemand vorstellt, ein anderer zu sein, bleibt das unklar. Die Atmosphäre ist surreal, eine unvollständige Uhr zeigt ihre eigene Zeit an, eine Treppe führt ins Nirgendwo, und eine Bücherleiste wird zum Pferd Rosinante. Das erinnert ein bisschen an Dalís Bilder und Buñuels Filme, „es sollen der eigene Umgang und Abseitiges neben der Wirklichkeit gezeigt werden“.
Bei Jakob Peters-Messers Inszenierung beginnt das Stück in einer Badewanne, wo es auch endet. Als Einführung in die Erzählung ist der kurzen Oper, die mit ihren fünf Akten keine zwei Stunden dauert, ein Prolog vorangestellt. „Dann wird der Schalter umgelegt, und es klappern spanische Kastagnetten, ein belebter Platz wird zur Bühne für Dulcinées Auftritt.
Als „atmosphärisch unglaublich stark“ lobt Peters-Messer das Stück, Morgen- und kitschig schwüle Abendstimmung lassen sich „wunderbar“ erzeugen. Manches sei fast ein wenig klischeehaft, die Kunst der Musik, das Können der Sänger und das bislang ungelüftete Geheimnis der Projektionen – deshalb das reinweiße Bühnenbild – machen daraus ein mehrschichtiges Erlebnis. Außerdem, so sagt der Kenner, ist die Oper „dialogisch überaus interessant, sie ist sehr detailliert komponiert, hat keine langen Arien und ist deshalb ein Stück für alle“.
„Don Quichotte“ I heroische Komödie in fünf Akten I 13.4.(P)/18./22.5. 19.30 Uhr I Opernhaus Wuppertal
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