Erik Rousi als Méphistophélès und Sangmin Jeon als Faust (v.l.)
Foto: Matthias Jung

Aura der Unschuld

17. Februar 2025

„Faust“ von Charles Gounod am Wuppertaler Opernhaus – Prolog 02/25

Wer bei der Oper „Faust“ (1859) von Charles Gounod mit einer Vertonung von Johann Wolfgang von Goethes gleichnamiger Tragödie rechnet, liegt daneben. Das mag vielleicht der Grund dafür sein, dass das Stück lange auf deutschen Bühnen ein stiefmütterliches Dasein fristete. Das änderte sich erst 1972, als der deutsche Musikwissenschaftler Fritz Oeser (1911-1982) eine kritische Neuausgabe herausbrachte. Das Werk basiert auf dem französischen Boulevardstück „Faust et Marguerite“. Konzipiert wurde es für eine Volksbühne, das Théâtre-Lyrique. Die Librettisten Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré waren nur darauf erpicht, für eine Liebesgeschichte einen Aufmerksamkeit erregenden Rahmen zu verwenden. Sie suchten in der Weltliteratur und entschieden sich für den erwähnten Stoff. Sie legten den Fokus der Faust-Problematik einzig darauf, dass sich der Protagonist nicht mit dem Alter abfinden kann, während Mephisto bestrebt ist, für Verwirrung zu sorgen. Der metaphysische Aspekt wird außer Acht gelassen.

Die Musik verdeutlicht glasklar, dass Faust und Marguerite füreinander bestimmt sind. Gounod kreiert das Bild einer perfekten Idylle und versieht sie mit einer Aura der Unschuld. So wird etwa verschleiert, dass auf die Liebeszene im Garten eine Schwangerschaft, darauf die Trennung seitens Faust, eine Kindstötung und schließlich der Tod Marguerites folgt.

Die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte wie die Frage nach der Fassung sind komplex. Die Entscheidung, ob man gesprochene Dialoge („Opéra comique“-Fassung als Vierakter) oder komponierte Rezitative („Grand opéra“-Fassung als Fünfakter) verwenden will, reicht nicht aus. Sehr viele Änderungen hat der Komponist selbst vorgenommen und so sein Werk immer wieder auf die Aufführungsorte und Stimmen der Gesangssolisten zugeschnitten. Auch Regisseure nahmen Veränderungen vor. So strich bereits bei Proben vor der Uraufführung der inszenierende Intendant Léon Carvalho ganze Partien. Eine letztendlich gültige Version gibt es also nicht.

Die Neuinszenierung des US-amerikanischen Regisseurs Matthew Ferraro am Wuppertaler Opernhaus hält sich an die Oeser-Fassung, kommt also ohne Dialoge und das Ballett „Walpurgisnacht“ aus. Das Sinfonieorchester Wuppertal leitet der 1. Kapellmeister Johannes Witt. Mit dabei sind Opern- und Extrachor der Wuppertaler Bühnen. Bis auf eine Person vom Opernstudio NRW gehören die Gesangssolisten zum hauseigenen Ensemble.

Faust | 23.2. (P), 2., 23.3., 4.4., 9.5., 8.6., 1.7. | Oper Wuppertal | www.oper-wuppertal.de

Hartmut Sassenhausen

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