„Wenn ein Lottogewinn zum Desaster wird“ musste ich kürzlich lesen. Anlass war der 120 Millionen Euro-Coup eines Spielers aus Mettmann. Desaster? Die Sorgen hätte ich gerne. Für wen der Gewinn jedenfalls nicht zum Desaster wurde, waren die zahlreichen Vermögensforscher und Para-Psychologen, die nun ihre endlich ihre, nun ja, Theorien an die leer ausgegangenen „Verlierer“ bringen konnten. Geld alleine mache halt nicht glücklich, im Gegenteil.
Statistiken belegen das Gegenteil und zwar, dass es den meisten Menschen, die in Lotto, Toto und, mittlerweile leider eingestellt: Rennquintett gewonnen haben, ganz gut damit klarkommen. Endlich konnten sie sich der Verwertungsindustrie entziehen. Manche sollen sogar ihre soziale Ader (wieder)entdeckt haben und machen sich in einer Gesellschaft, die von der Ungleichheit lebt, erst recht verdächtig.
Nun ist es wahrscheinlicher, durchs Bergische Land zu wandern, ohne nass zu werden, als im Lotto zu gewinnen, aber es passiert. Dass anschließend die Mahner Hochkonjunktur haben, hängt auch damit zusammen, dass der gemeine Bürger niemals vergessen soll, dass die Tage des Glücks rar gesät sind, denn: Angst ist immer noch das beste Geschäft und die erfolgreichste Masche, Menschen klein zu halten.
Davon wird sich der Mann aus Mettmann hoffentlich nicht unterkriegen lassen. Lottogewinner Erwin Lindemann (die Älteren wissen Bescheid) wollte übrigens mit dem Papst in Wuppertal eine Herren-Boutique eröffnen. Es gibt aber auch andere Optionen, jenseits des Desasters.
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