„Wir kommen aus New York“, und direkt anschließend kommt „Wir hassen Trump“ auf Englisch nach der ersten Nummer über die Lippen von Uri Caine. Das zahlreich erschienene Publikum klatscht darauf beifällig. Mit diesem Statement hat es der berühmte Pianist ganz auf seine Seite gebracht. Aber auch musikalisch gibt es sich hellauf begeistert ob der packenden Darbietungen von ihm, Kontrabassist Mark Helias und Schlagzeuger Ben Perowsky.
Energetischen Jazz präsentiert das Trio bei seinem ersten Konzert seiner 14-tägigen Tournee durch Deutschland, Italien, Österreich und Spanien. Die drei Musiker kennen sich seit vielen Jahren. So wundert es nicht, wie sehr sie miteinander harmonieren. Mit großer Spielfreude präsentieren sie drei mehrteilig aufgebaute Stücke plus eine kurze Zugabe. Dabei changieren sie abwechslungsreich etwa zwischen Bebop, Swing, Groove oder Funk. Ihre fein durchstrukturierten Soli führen sie streckenweise zu packenden Improvisationen, wobei Themen motivisch und rhythmisch zerlegt und neu zusammengesetzt werden.
Genre-Experimente
Mit viel Esprit zieht Caine das Publikum mit seiner verspielten Vortragskunst in seinen Bann – weltweit ziehen vor Musiker vor ihm den Hut, wegen seiner Experimentierfreude im Umgang mit klassischen Komponisten und variantenreichen Gestaltung genreübergreifender Musikstile. Dynamisch geht Helias mit dem Kontrabass um, selbst in ruhigen Passagen gestaltet er die Töne zupackend und zieht musikalische Spannungsbögen. Last but not least sorgt Perowsky nicht nur für treibende rhythmische Fundamente, sondern brilliert auch gerade bei seinem großen Solo, das er schlicht beginnt und kraftvoll enden lässt.
Zuvor demonstriert die im sächsischen Plauen aufgewachsene Pianistin Johanna Summer mit ihrem Soloauftritt hohe Improvisationskunst, von gefühlvollen Momenten bis hin zu Ausbrüchen in Form donnernder Repetitionen, die wie solche in Béla Bartóks „Allegro Barbaro“ anmuten. Basis ihrer Improvisationen sind Ausschnitte aus klassischen Werken, etwa die „La campanella“ von Franz Liszt und Frédéric Chopins erstes Nocturne aus Opus 55 wie seine „Fantaisie Impromptu“ oder eine Passage aus einer Suite für Klavier Georg Friedrich Händels. Unbeschwert und variantenreich geht sie damit um, unter anderem verwendet sie klassisch-avantgardistische Strukturen und tradierte Jazz-Formen.
Spielerisches Wagnis
Doch: So gut wie nahtlos schließen sich der Anfang einer Klaviersonate Ludwig van Beehtovens und Johann Sebastian Bachs geistliche Motette „Jesu meine Freude“ an. Genauso gehen der Anfang der jeweils ersten Sätze eines Streichquartetts und einer Klaviersonate Wolfgang Amadeus Mozarts sowie der Beginn des Italienischen Konzerts von Bach ineinander über. Solche Aneinanderreihungen erwecken den Eindruck, als würden sie über einen Kamm geschert, obwohl diese Werke inhaltlich wie kompositorisch nichts miteinander zu tun haben. Trotzdem versucht Summer, sie in einen Kontext zu bringen. Das gelingt ihr qua der unterschiedlichen musikalischen und stilistischen Musiksprachen natürlich nicht bruchlos. Verspielt ist die Gestaltung des Jazzstandards „Peace“ von Horace Silver als Zugabe.
Das Doppelkonzert in der ausgezeichnet besuchten Glashalle der Sparkassenzentrale kommt richtig gut an. Frenetisch werden Summer und das Uri Caine Trio gefeiert.
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