„Ich find' das gut, was ihr hier macht.“ Zwischen den Gitarrenklängen von Stehplatz 14 ist zwar nicht alles verständlich, was der leicht alkoholisierte Mann ruft, aber dieser Satz kommt durch. Dazu ein Nicken und den Daumen hoch. Im Hintergrund wehen Regenbogenflaggen und Gloria Knallenfalls, die Bergische Drag Queen, entspannt die Füße gerade auf einer Bierbank. „Die meisten Reaktionen heute sind sehr positiv und die Stimmung ist auch gut.“, sagt sie, „Nur, dass die Parteien sich hier so rar gemacht haben, ist natürlich schade.“
Tatsächlich gibt es neben den Ständen von Amnesty International, der AIDS-Hilfe Wuppertal, dem Radiosender „Antenne Regenbogen“, der Selbsthilfegruppe „aMANNda“ aus Gevelsberg, dem frauenzentrum urania, der Initiative HuK (Homosexuelle und Kirche), der Gruppe „Immer dabei. Ältere Lesben und Schwule in Wuppertal“ und dem Queer Referat der BUW nur einen Stand der SPD und der Linken. Die Grünen und die CDU wollen nicht, dafür hat sich die Grüne Jugend unters Volk gemischt. Und der amtierende Bürgermeister Peter Jung kann noch nicht mal Zeit für die Podiumsdiskussion frei schaufeln. Für einen CSD also ein recht maues Ergebnis in Sachen Politik.
Dass dann auch noch Partei-Kandidat Hans Werner krank das Bett hüten muss, lässt die Gesprächsrunde am Nachmittag auf drei Personen zusammen schrumpfen. So sprechen am Ende Andreas Mucke (SPD), Gunhild Böth (Linke) und der NRW-Minister für Arbeit, Soziales und Integration Guntram Schneider mit der Wupperpride e.V.-Vorsitzenden Anne Simon über Vielfalt im Unterricht, Quartiersentwicklung und die Öffnung der Ehe.
Wirklich diskutiert wird allerdings nicht, es sind eher kleine, sich abwechselnde Monologe. Worin sich alle einig sind, dass die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zugänglich sein sollte. Und, dass sich etwas im Tal ändern muss, damit es ein gleichberechtigtes Miteinander gibt. „Wir müssen Kopf und Herz erreichen“, betont Anne Simon, „Nur so kann man die Atmosphäre in der Stadt verändern.“
Die musikalischen Acts des Tages schaffen dies auf jeden Fall. Besonders die beiden jüngeren Bands Friday And The Fool und Stehplatz 14, sowie das Ensemble Noisten zeigen ein beachtliches Talent und eine jeweils eigene und tief greifende Herangehensweise an die Themen Liebe, Identität und Menschlichkeit. Für die tanzwütigen Gäste trommeln Apito Fiasko bunt und glitzernd durch die Menge und mit Velvet Flames gibt es eine ordentliche Cover-Band, die am Abend noch einmal den Rathausvorplatz laut werden lässt. Dass sich das Publikum leicht verändert und nun auch zwischendurch gepöbelt wird, ist zwar unangenehm, lässt sich aber ausblenden.
„Den CSD hier wieder stattfinden zu lassen, können wir uns gut vorstellen“, meint Anne Simon abschließend, „nur vielleicht diesmal ohne den Genehmigungsdschungel. Das Rathaus ist eine so gute Kulisse, auf den unterschiedlichsten Ebenen.“ Gloria ergänzt lachend: „Vielleicht könnte man dann ja auch mal eine Regenbogenflagge hissen.“
Bevor beide ins Wuppertaler Brauhaus zur Aftershow-Party gehen, rücken noch einmal alle näher vor die Bühne. Lea Wagner, eine Hälfte des Feuerartistik-Duos Pech & Schwefel, tanzt mit Fackeln über die Pflastersteine und spuckt Feuer in den Himmel. „Das ist der Hammer!“, flüstert Gloria. Und für wenige Minuten sind einfach alle gleich und bestaunen die brennende Luft.
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