„Ich male, was ich esse“, sagt Miquel Barceló. „Vielleicht sind alle meine Bilder Suppen“, zitiert der Ausstellungskatalog den mallorquinischen Künstler (geb. 1957). „Von allem etwas“, wie im geliebten Reis-Eintopf „Arroz brut“ aus seiner Heimat. Seine Großformate erinnern mitunter an den Blick in einen Suppentopf. Oder an barocke Stillleben, komponiert aus einem originellen Zutatenmix: Kerzenleuchter, Schneckenhaus, Blumenvase, Küchenmesser, Krug, Kraken, daneben Gräten, Schädel und Gerippe, auf Tafeln ausgebreitet oder verborgen im pastosen Farbbrei. „Umgerührte Malerei. Die Welt als Suppe, jeder Löffel anders.“ – und jedes Bild auch, seit 40 Jahren. Die Wucht von Barcelós Malerei kann keine Abbildung transportieren. Die muss man im Original sehen. Und so richtete das Museum Küppersmühle dem in Deutschland wenig bekannten, doch international renommierten Spanier die hierzulande erste große museale Einzelschau aus – mit fast 70 Gemälden aus vier Jahrzehnten und einer kleinen Skulpturenauswahl. Der Schwerpunkt liegt auf Werkreihen der letzten drei Jahre.
Seinen Durchbruch erlebte der damals erst 25-Jährige ausgerechnet in Deutschland: als einziger spanischer Teilnehmer der Documenta 7. 1982, das war die Hochzeit der frechen Jungen Wilden, deren Spirit sich der heute 67-Jährige bewahrte. Auch wenn seine frühe wilde Malerei, mit der die Ausstellung startet, deutlich suppiger daherkommt als die aktuellen Kompositionen. In den Strudel einer „Sopa marina“ z. B. schwappt von rechts fischig schimmerndes Meerwasser, links ragt ein plastischer roter Rührstab aus dem Bild. Ein weiteres Bild von 1984 zeigt zwei gefüllte Pfannen und vorn einen Eintopf, drei Elemente auf weißem Grund, die einen von fern wie ein Totenkopf angrinsen. Das Vanitas-Motiv historischer Stillleben blitzt auf: Essen und Genuss verknüpft mit Vergänglichkeit und Tod, hier nun sehr spanisch interpretiert: mit alltäglichen Lebensmitteln und Küchengeräten. In aktuellen Stillleben reduziert der Maler die Farbigkeit auf Schwarz-Weiß mit akzentuierten Konturen und oft nur einer zusätzlichen Schmuckfarbe. So entstehen Wimmelbilder von faszinierender Plastizität.
Barceló lebt und arbeitet weltweit. Was ihn andernorts inspirierte – prähistorische Höhlenmalerei aus Lascaux, die Tierwelt Afrikas oder, als passionierter Taucher, Meeresgetier aus dem Ozean – wird in acht Themenräumen großzügig präsentiert. Alles ist Stillleben: mal überraschende Kombinationen wie die im Archimboldo-Stil aus Blumen, Tieren, Knochen und Gemüse zusammengesetzten Stiermotive, mal Einzelelemente frei verteilt als All-over-Painting wie in der Werkreihe halbierter Tomaten. Diese überbordenden Leinwandreliefs aus kiloweise aufgetürmten Farbwülsten in leuchtenden Rot-Orange-Grün-Tönen vermitteln mediterrane Sinnlichkeit, gepaart mit Vergänglichkeit.
Eine Überraschung ist Barcelós rustikale Keramik. Tönerne Tierschädel auf Rädern und schrundige, fast gestaltlose Vasenklumpen neben einer Miniversion seines 2018 in Zürich installierten meterhohen Elefanten, der elegant kopfüber auf seinem zarten Rüssel balanciert. Ein bisschen schräg, das alles, doch subversiv und ungeheuer kraftvoll.
Vida y Muerte | bis 23.2. | Museum Küppersmühle, Duisburg | 0203 30 19 48 11
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