Mit Beginn der dunklen Jahreszeit gehen im Skulpturenpark die Lichter an: Sanft pulsierende weiße Lichtsäulen erzeugen in zwei Ausstellungshallen sich fortwährend verändernde Raumerlebnisse – im Dialog mit Spiegelreflexen und dem schwindenden Tageslicht. Mischa Kuballs dezente Lichtinstallationen sind von ganz anderer Art als die Skulpturen, die normalerweise in den Glaspavillons und im dicht bewaldeten Skulpturenpark zu sehen sind: Die sichtbaren Objekte von „light_poesis“ – vier bzw. fünf Meter hohe minimalistische Lichtstelen und vertikal rotierende Doppel-Spiegel – sind nicht die eigentlichen Kunstwerke, sondern Apparaturen, Mittel zum Zweck der Vernetzung von Innen- und Außenraum. Ausschnitte des Himmels, von Laub, Büschen und Baumkronen hinter den Glasfronten werden durch die Dreh-Spiegel in den Innenraum gelenkt, während die im Fensterglas mehrfach gespiegelten Lichtsäulen scheinbar draußen im umliegenden Gebüsch entschwinden.

In unregelmäßigem Rhythmus leuchten die LED-Stelen auf und erlöschen wieder. Die Pavillons ähneln atmenden Organismen, die meditative Ruhe verströmen. Ihre Standorte und ihre Ausstattung unterscheiden sie: Während der mittlere Pavillon, in dem sich zwischen den Säulen zwei Spiegel drehen, dicht umwachsen ist, steht der obere mit ovaler Glasfront frei auf einem Hochplateau. Hier sind fünf Stelen kreisförmig um nur einen Drehspiegel angeordnet. Eine sechste steht draußen auf der Rasenfläche und zieht eine imaginäre Luftlinie zu dem Lichtkunst-Projekt, das Mischa Kuball in ganz Wuppertal bekannt machte: „MetaLicht“ für die Bergische Universität. Vertikale Illuminationen, Lichtstreifen an einzelnen Baukörper-Kanten, verwandeln seit 2012 den Universitätskomplex auf der Anhöhe nachts in eine weithin sichtbare Landmarke.
Licht ist das zentrale Medium des renommierten Düsseldorfer Konzeptkünstlers und Professors für Public Art an der Kunsthochschule für Medien, Köln – im Außen- wie im Innenraum, dauerhaft installiert oder nur temporär wie „light_poesis“. Das Kunstlicht der Stelen, das über Glas und Spiegel „geistert“, korrespondiert mit dem veränderlichen Tageslicht, das immer neue Impressionen erzeugt. Und letztlich auch einen anderen Blick auf den Skulpturenpark, der erstmals im Winter von Freitag bis Sonntag öffnet. Die schönste Zeit zur Betrachtung beginnt mit der ersten Dämmerung, so lange sich noch schemenhaft die Außenwelt abzeichnet. Naturprozesse werden beleuchtet, auch im übertragenen Sinn. Die vollständige Dunkelheit danach entfaltet ihre eigenen Reize. Und falls tatsächlich Schnee fällt, wird’s reinste Poesie, eine flüchtige Verwandlung.
Etwas Sichtbares von Kuball wird bleiben: das waagerecht montierte Spiegelobjekt „rotating mirror_horizontal“ an der Böschung eines versteckten Waldweges. Zwei Spiegel drehen sich auf einer horizontalen Achse gegeneinander. Man sieht zeitgleich nebeneinander Reflektionen von hohen Baumkronen und Herbstlaub auf dem Boden. Dieses unnatürliche Doppelbild irritiert unsere Wahrnehmung, sodass einem fast schwindelig wird. Warum ist das so? Kuballs Wahrnehmungs- und Erkenntnisapparaturen wollen Geist und Sinne schärfen.
Mischa Kuball: light_poesis | bis 18.2. | Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal | 0202 47 89 81 20
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