Gott und Marx und John Lennon sind tot. Wir hatten Hunger, so viel stand fest, und deshalb wollten wir Böses tun. Aber nicht der Hunger trieb uns zum Bösen, sondern das Böse trieb, indem es uns hungern ließ. Klingt irgendwie, ich weiß nicht, existenzialistisch. »Scheiß drauf. Jetzt kriegt der Affe Zucker«, sagte mein Kumpel. So stand die Sache, kurz gesagt.
Gesagt, getan. Die Messer gewetzt und Schluss mit lustig. Normen über Normen. Ein klaffendes Loch in der Tasche. Und Individualität predigen sie, als wäre Wasser Wein. Das passt doch alles a) nicht zusammen und b) mir nicht in den Kram. Insofern trifft die Ausstellung „Phantastische Bildwelten“ in der Kölner Zentralbibliothek (24.5.-6.7.) genau meinen Nerv. Nach der kongenialen Illustration seiner philosophisch-experimentellen Kurzgeschichte „Schlaf“ (Dumont, 80s, € 14,95) bestand Haruki Murakami regelrecht darauf, dass Kat Menschik auch seine hintersinnig-aufrührerischen „Bäckereiüberfälle“ (ebda., 100s, € 14,99) in Szene setzt. Hier die lakonisch-zotige Kurzgeschichte, dort die sensible Mischung aus Jugendstil und Comic Art, die der Seele des Texts kongenial Gestalt verleiht. Ein subversives Gebräu, nach dem es in den Fingern juckt: höchste Zeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Zumindest in der Vorstellung. / Aber scheinbar lässt sich Oberkante Unterlippe verdammt lang ertragen. Erst wenn's ans Eingemachte, die persönliche Existenz geht, regt sich so was wie Widerstand – wie in T.C. Boyles bissiger Roadstory: Von wegen „Talk Talk“ (dtv, 464s, € 9,90), jetzt wird gehandelt. Bezeichnenderweise von der tauben Dana Halter, deren enthemmte Stimme dem Gros der Mitmenschen einen Schauder über den Rücken jagt. Das hindert sie aber nicht daran, das Heft in die Hand zu nehmen und – gemeinsam mit ihrem Freund – Jagd auf den skrupellosen Dieb ihrer Identität zu machen. Wut macht Mut. Dann verlässt das Zivilisationswesen auch mal sein Schneckenhaus. / Ansonsten gelten Rückzug und Arrangement als kulturhistorische Errungenschaften. In den heimischen vier Wänden kann man seine Schrulligkeiten noch irgendwie ausleben. Doch wehe, man tritt vor die Tür. Das gilt auch für J.G. Farrells Bewohner seines Hotel „Majestic“. Mag „Troubles“ (Matthes & Seitz, 538s, € 24,90) auch auf die Unruhen während des irischen Freiheitskampfes referieren, das stoische Festhalten der Protagonisten an ihren gewohnten Lebens-/Denkweisen kommt einem allzu bekannt vor. Trotzdem kann man ihnen nicht böse sein. Zu humanistisch-humorvoll skizziert sie der Brite/Ire in seinem 2010 posthum mit dem Booker Prize ausgezeichneten Sittengemälde. Doch insgeheim weiß man: So wird das nix mit Rebellion. Es passiert wieder einfach nur was, und alle fügen sich. / Selbst die Jugend. Scharenweise bewerben sie sich heutzutage in heroischer Selbstverklärung als nächster Superstar, um formatgerecht in Form gepresst zu werden. Und das soll Format haben?! Wenigstens bleiben sich die Initiatoren treu, indem sie ihre Pappfiguren anschließend frei nach dem Motto „built to destroy“ in irgendwelchen Dschungelschlachthöfen wieder durch den Wolf drehen. Dass es auch ganz anders geht, beweist der Fotograf und Filmemacher Richard Kern. Wenn schon entblößen, dann richtig und zwar für seinen Online-Sender „vice“. Nackte Tatsachen als Ausdruck individueller Lebensgier. Das hat Stil. That's Punk! Und so steuert kein Geringerer als der einstige Sonic Youth-Gitarrist Thurston Moore den Soundtrack zu Dian Hanson's Best Of der Rubrik „Shot by Kern“ (Taschen, 288s+dvd, € 29,99) bei, nachdem er bereits den Film zum unverblümten Vorgänger „Action“ (ebda., 240s+dvd, € 12,99) vertont hat. / Doch die wahren Aufsässigen hat Knud Kohr aufgetrieben. Keinerlei Kompromisse duldende Selbstinszenierung ist das eine. Nenn es Indipendent. Aufstand hingegen zeigt sich im Alltag. Das mag zeitweise grotesk wirken, doch „Helden wie ihr“ (Verbrecherei, 224s, € 14) lassen sich nicht auf der Nase rumtanzen, geben ihre persönliche Freiheit nicht einfach preis. Voller Überzeugung, erfolgsunabhängig.
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