Kipdorf und Hofaue am Rand von Elberfelds City sind keine feine Gegend. Die verrufene Gathe ist nicht fern, leicht schmuddlig, Bordelle. Doch finden sich hier auch Kulturorte, auch wenn es Fantasie braucht, zwischen ihnen gedanklich eine Linie zu ziehen. Das Rex-Programmkino, das Kolkmannhaus mit zwei Kunstvereinen – und etwas größer gedacht zählt auch ein Leuchtturm zum Einzugsbereich: das künftige Tanzzentrum Pina Bausch jenseits der Bundesallee im alten Schauspielhaus. Unter dem Namen „Cypher Lab“ beginnt im Quartier nun eine Kooperation.
Kreativer Stadtteil
Das Tanzzentrum soll auch der freien Tanzszene offen stehen, und das tut schon sein Vorfeld-Format „under construction“. Zwei Produktionen zeigte hier bislang die Tanzschule Urban Art Complex (UAC) von der Zollstraße im Hofauen-Viertel, wo der Choreograf Miracle Laackmann mit jungen Laien die imposanten Hip-Hop-Stücke einstudiert hatte. Hinzu kam 2025 die erste „Wu Tal Session“, ein „Battle“ in Urban-Dance-Disziplinen. Die UAC-Schule von Ben Wichert gibt es seit einigen Jahren. Seit 1992 wiederum existiert ein namhafter Akteur in Sichtweite, mit dem man nun in die Zusammenarbeit tritt: Spricht man etwa im Ruhrgebiet mit Film-Aktiven, dann ist das Medienprojekt Wuppertal ein fester Begriff. Sogar bundesweit ist Andreas von Hörens Haus für Jugendfilm eine Institution.
Die Erfahrung in der Filmproduktion mit Jugendlichen bedient nun gewissermaßen ein Motiv, das Wicherts Eleven an der Teilnahme reizt. „Inszenierung, auch Selbstinszenierung interessiert die Jugendlichen“, bringt es von Hören beim Pressefrühstück im UAC auf den Punkt. Sein Part, das Filmen, soll das nun über die Aufführungstermine hinaus ermöglichen – nicht zuletzt fürs Teilen auf Social Media.
(Selbst-) Inszenieren
Neben Wichert stellte unter anderem Bettina Milz die Kooperation vor, Leiterin der Vorlaufphase zum Tanzzentrum. Wer die UAC-Stücke in „ihrem“ Haus besucht hat, kennt sie als ehrlich begeistert von Engagement und Können der jungen Tanzenden. Ähnlich erfreut lobt sie nun: „Es ist toll, wenn man langfristig etwas aufbauen kann.“ Denn „Cypher Lab“ läuft ein Jahr und damit länger als die früheren Tanztheaterprojekte „Ego“ und „Shadows“.
Kim Münster ist eine der drei Filmprofis, die mit den jungen Filmenden arbeiten. Die Gründerin der Produktionsfirma treibsandfilm mag man gar nicht recht ‚nur‘ Dokumentarfilmerin nennen , besser wohl: Sie zeigt seit Langem, wie breit, kreativ und menschlich zugewandt ihr Genre sich verstehen kann. „Federding“ von 2022, der Hybrid-Kurzfilm über das Thema Trauer, erhielt Auszeichnungen auch im asiatischen Raum. Sie und zwei Kolleg:innen leiten nun ab diesem Sommer für ein Jahr die jungen Filmteams an, die Entwicklung einer neuen Hip-Hop-Performance mit der Kamera zu begleiten.
Glaubhafte Jugendarbeit
„Ego“ und „Shadows“, das wird man sagen dürfen, hatten beglaubigt, was in Kulturarbeit mit Jugendlichen, nicht zuletzt „benachteiligten“, gern postuliert wird: „Stärkung des Ichs“ oder „Selbstwirksamkeit“ fanden eine überzeugende Umsetzung. Beide Stücke handelten von Stolz und Individualität und boten dem Publikum packende Bewegungskunst, eine bildstarke, rhythmische Inszenierung.
Auch das Medienprojekt wird dafür gerühmt, dass dort junge Leute eigenständig ihre Visionen verwirklichen können. Das Prinzip: Jugendliche entwickeln eigene Ideen auf dem Weg zur Leinwand; was von Hörens Haus hinzu gibt, sind fachliche Begleitung und Technik. Dass nun UAC und Medienprojekt zusammen gehen, scheint konsequent.
Was in der Runde zunächst nicht zur Sprache kam: Das Verhältnis der Tanzenden zu den Filmenden. Deren Verbindung wird ein neues Element in die Stückarbeit bringen. Auf engels-Nachfrage stellte Ben Wichert heraus: „Das Filmteam wird zu ausgewählten Terminen dabei sein, die allen bekannt sind.“ Die Klärung schien wichtig, denn Proben sind stets auch ein Schutzraum. Auch beim Schritt zur Tiktok-Sichtbarkeit wird dies also sicher im Blick bleiben.
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