Wie immer kommt im Wuppertaler Skulpturengarten Waldfrieden der Aufstieg vor der Kunst. Wichtig ist zu wissen: Ist der Besucher schwitzend an Jonathan Monks „Covered Motorbike“ angekommen, dann sind die Bildhauer-Wechselausstellungen nicht mehr weit. Ich bin auf dem Weg zur Halle des ehemaligen Tony Cragg-Schülers Wilhelm Mundt, der durch seine unzähligen „Trashstone“-Objekte bekannt ist und schließlich sogar zum Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie in Dresden berufen wurde. Der Düsseldorfer kennt sich mit artifiziellem Müllrecycling bestens aus und dafür muss der Sammler heute tief in seine Tasche greifen. Anders als beim alten Müllentsorger H.A. Schult („Trash People“) haben die in Mundts Werken verarbeiteten Reste oft einen persönlichen Kontext. Klumpen nennt er die, inzwischen hunderte, durchnummerierten Arbeiten gerne, „Unklumpen“ heißt die megainteressante Ausstellung in Tony Craggs Skulpturenpark.
Auf den ersten Blick liegt vor der gläsernen Halle nur ein riesiger dunkler Kiesel, der von hellen Linien durchzogen ist. Dann geht es hinein in den Pavillon. Rechterhand eine Stellage mit neun gereihten Klumpen, unter einer sandfarbenen, glänzenden Oberfläche zeigen sich gezeichnete Strukturen, hier und da sind Objekte, Muster, eine Injektionsspritze sogar zu sehen. Schnell drängt sich eine Frage auf: Wer weiß schon, was unter den schützenden Hüllen steckt?In der Universitätsklinik Freiburg hat der renommierte Bildhauer vor Jahren zwei Trashstones mit Abfallmaterial aus dem strahlentherapeutischen Bereich gefüllt und mit glänzendem GfK und Aluminium verhüllt. Doch einen Geigerzähler brauchen die Bewohner in Wuppertal hoffentlich nicht, dafür eine längere Auseinandersetzung mit der Formenfindung und Oberflächenbearbeitung des Künstlers. So zufällig, wie es scheint, sind die voluminösen Klumpen nicht entstanden. Alles begann mit den Dingen, die Wilhelm Mundt (*1959) in seinem Atelier fand und zu einer neuen bestimmenden Form montierte, danach sich mit industriellen Oberflächen beschäftigte und mit diesen die ersten Trashstones überzog. Hier hängen zwei neue Arbeiten, die wie durchscheinende Kokons den „Abfall“ sichtbar in sich bergen. Ich erkenne Kleidung und Schaumgummireste und einen gequetschten Tablet-Karton aus Pappe.
Von ganz weit weg scheint dabei jemand wütend zu schreien. Der Künstler hat sich mit seinem Tun auseinandergesetzt und sich dabei die Frage gestellt, ob die verhüllten Objekte ein immerwährendes Handeln und Kreieren in seinem Leben fordern und erfordern. So hat er dann eine Kamera mit Blick auf sich selbst in seinen PKW gebaut und während der Fahrt durch die Landschaft wütend assoziiert, was da vorbeisaust. „Fichten, Tannen, Lärchen, Kaninchen, Fleisch“ schreit er ins Mikrophon, für mich gut, dass die Aufsicht im Skulpturengarten den Satz inzwischen verinnerlicht hat. Das Fleisch sei eine spontane Reflexion auf seine Jugend und die Metzgerei seines Opas, erklärt er im Interview im kleinen, aber vorzüglichen Ausstellungskatalog. Die hängenden Klumpen sehen jetzt also eher wie abgehangene Schlachtung aus. Die Klumpen sind jede Reise wert.
Unklumpen | bis 31.7. | Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal | 0202 47 89 81 20
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