Man sollte schon auf halber Höhe innehalten. Im Stockwerk unterhalb der Ausstellung mit Alfred Sisley zeigt das Von der Heydt-Museum Kunstwerke, die in den Bestand der Sammlung mindestens temporär aufgenommen worden sind, die gekauft, geschenkt oder geliehen wurden. Während nun die Sisley-Ausstellung sehr respektabel vor Augen führt, was die spektakulärste Funktion eines Museums ist – die Durchführung von Blockbuster-Ausstellungen gemäß dem eigenen Sammlungsbestand –, weist das Museum im ersten Obergeschoss mit der Ausstellung „JETZT“ auf seine Tätigkeit des Sammelns. Und es verdeutlicht ein wenig die Kriterien und Maßstäbe, die dem zugrunde liegen.
Die Sammlungsaktivität eines Museums geht generell in zwei Richtungen: Sie versucht Lücken zu füllen und mit Neuerwerbungen bereits Vorhandenes zu ergänzen. Und sie handelt vorausschauend, indem sie junge zeitgenössische Kunst bedenkt, solange sie günstig zu haben ist. Das leistet das Von der Heydt-Museum trotz schmalster städtischer Etats vorbildlich und engagiert.
Aber ein Museum, das erfolgreich Ausstellungen zur Kunst der vergangenen Jahrhunderte auf die Beine stellt, muss nicht unbedingt ein glückliches Händchen in Bezug auf die Gegenwartskunst haben. „JETZT“ verweist implizit auf die eigenen Ausstellungen und wirft dadurch die Frage auf, ob ein Kunstwerk außerhalb dieses Kontextes Bestand hat. Die Frage stellt sich zu Matthew Benedicts Bildern, die hier, mit unterschiedlichen Besitzverhältnissen, verblieben sind. Und so erfolgreich Jorinde Voigt derzeit auch sein mag: Die zwei Bewegungsstudien, die aus ihrer jüngsten Ausstellung als Schenkung hier geblieben sind, sind nicht wirklich der Hit. Hingegen ist die Schenkung eines Konvoluts von Arbeiten des in unserer Region völlig unbekannten Karl Kunz (1905-1971) eine Bereicherung. Gegen den Raum mit den Papierarbeiten von Tony Cragg, die dieser international gepriesene, in Wuppertal lebende Bildhauer dem Kunst- und Museumsverein Wuppertal geschenkt hat, kann man nichts Negatives sagen. Natürlich ergänzt sich der Bestand noch zu der zweiteiligen Plastik vor der Pforte und der „Blauen Flasche“ im Treppenhaus. Dem in der inneren Emigration entstandenen Dix-Gemälde „Wald am Morgen“ begegnen wir in „JETZT“ wieder, zu sehen ist es in einem Kontext mit Hofer und Kirchner. Die Ausstellung endet mit Leihgaben zur jüngsten Kunst, bei denen vielleicht David Schnell herausragt. Um zu wissen, wie das Von der Heydt-Museum funktioniert, und was in den letzten Jahren dort geschah, sollte man sich „JETZT“ unbedingt anschauen.
„JETZT ins Von der Heydt-Museum“ | bis 4.3.2012 | Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, Wuppertal | www.von-der-heydt-museum.de
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