Die flachen weißen Podeste fassen die Skulpturen zu Gruppen zusammen und nehmen ihre fließende Bewegtheit auf. Im Skulpturenpark Waldfrieden reagieren Luise Kimmes Figuren in ihren Bewegungen aufeinander, überhaupt erfüllt ein wogender Tanz den Pavillon. Die Frauen besitzen farbenfrohe Kleider, die Männer tragen Anzüge im unterschiedlichsten Zuschnitt, allesamt wirken sie elegant, herausgeputzt auf eine angenehme Weise, auch wenn sie Strandkleidung tragen. Die Körper selbst ragen schlank empor, die Beine und Arme sind über das natürliche Maß hinaus gelängt. Der Wechsel von weichen und kantigen Verläufen gibt den Takt dieser Figuren vor, die eine pure Lebensfreude vermitteln. Dabei handelt es sich immer um Schwarze. Die Gesichter sind genau geschnitten und im Ausdruck fröhlich und bisweilen entrückt. All das wird durch den Realismus des Kolorits unterstrichen, sofern nicht das rohe Holz belassen ist. Auch dann berührt uns die Genauigkeit und Intensität der Figurendarstellung.
Auf die Ausstellung mit Stephan Balkenhol folgen damit im Skulpturenpark Waldfrieden erneut Holzskulpturen. Aber welch ein Unterschied! Während Balkenhol in vielen seiner Werke gerade auf unseren hiesigen Alltag anspielt und seine Skulpturen meist etwas Stilles, in sich Ruhendes besitzen, vereinen die Figuren von Luise Kimme Exotisches und Extrovertiertheit, unterstrichen noch durch ihre Bewegtheit. Sie stammen aus einer anderen Welt, genauer gesagt, sie tragen die Aura der Karibik: der Heimat des Calypso und des Reggae. So beziehen sie sich auf den Karneval von Trinidad oder verweisen auf dortige Rituale und Mythen. Mit solchen Skulpturen, neben denen monumentale, hochformatige, figürliche Zeichnungen entstanden sind, befand sich Luise Kimme (1939-2013) abseits vom Kunstbetrieb. Auf den Karibikinseln war sie indes hoch angesehen: als Persönlichkeit wie auch als Künstlerin, die das dortige Lebensgefühl zum Ausdruck brachte. Auch im so gänzlich anderen Rheinland war sie eine große Nummer, als Professorin für den Orientierungsbereich an der Düsseldorfer Kunstakademie von 1976 bis 2002.
Waren ihre Arbeiten im Studium an der HBK in Berlin und an der St. Martin's School of Art in London noch vom Avantgarde-Begriff des westlichen Kunstbetriebs geprägt, so entdeckte Luise Kimme bei einem Aufenthalt auf Jamaika für sich schon bald den traditionellen, „unverbildeten“ Realismus. Zunächst erstellte sie figürliche Reliefs aus Holz. Ab 1979 richtete sie sich auf der Karibikinsel Tobago ein Atelier ein, wo sie später auch ein Museum für ihre Werke baute. Die Hölzer für ihre Figuren fand sie dort und in Kronenburg in der Eifel, wo sie jedes Jahr im Mai und Juni gearbeitet hat. Sie war eine „richtige“ Bildhauerin, mit der Kettensäge, mit Hammer und Stechbeitel. Kraftvoll und souverän in ihrer Arbeit entwickelte sie einen präzisen Umgang mit ursprünglicher Kultur. Ihre Skulpturen sind Studien und Verwirklichungen von Ausdruck, und wie akribisch sie den Bewegungen der heimischen Tänzer nachgegangen ist, zeigt sich etwa in dem Buch „chachalaca“, einer Art Autobiographie ihrer Zeit auf Tobago, in der sie den Alltag auf der Insel beschreibt und Fotos und Presseausschnitte der Feste einbezogen hat. Die Skulpturen „bezeugen sowohl das Formgefühl Luise Kimmes, das aus jeder Pose und Geste der überlebensgroßen Figuren spricht, als auch den beschwingten Lebensgeist und unerschütterliche Optimismus dieser einzigartigen Frau, Lehrerin und Bildhauerin“, schrieb Tony Cragg, ihr einstiger Kollege an der Düsseldorfer Akademie und jetzt Kurator von Waldfrieden, zur Ausstellung. Diese demonstriert nun, wie konsequent, einzigartig und authentisch ihr Werk ist. „Ich muss jetzt mit dem Brief aufhören“, hat Luise Kimme mir mal aus Tobago geschrieben, „und zum Tanzen auf die Nachbarinsel.“
„Luise Kimme – Carribbean Oak“ | bis 11.1. | Skulpturenpark Waldfrieden |
47 89 81 20
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