Träume sind nur Schäume?
Foto: Kirstin Jungmann

„Das Betreuungsgeld setzt auf Verhäuslichung“

28. Juni 2012

Charlotte Röhner über Erkenntnisse der Kleinkindpädagogik - Thema 07/12 Kindergartenstreit

engels: Frau Röhner, was ist besser für ein Kind, eine Tageseinrichtung oder die Familie?
Charlotte Röhner:
Das kommt ganz auf das Alter des Kindes an. Das erste Lebensjahr ist für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung von zentraler Bedeutung. In dieser Lebensphase stehen die Mutter-Kind-Beziehung und auch die Vater-Kind-Beziehung im Zentrum. Wenn Mütter allein ein Kind erziehen, können allerdings auch Entwicklungsrückstände auftreten, wenn darüber hinaus keine weiteren Entwicklungsimpulse gesetzt werden.

Spielt da die soziale Frage auch eine Rolle?

Prof. Dr. Charlotte Röhner
Foto:Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. Charlotte Röhner (63) istProfessorin für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Pädagogik der frühen Kindheit und der Primarstufe an der Bergischen Universität Wuppertal.

Kinder aus anregungsarmen Familien profitieren überdurchschnittlich vom Besuch einer Tageseinrichtung. Dies ergeben internationale Langzeitstudien. Allerdings geben Mütter ohne Beruf ihre Kinder nicht so oft in Kitas wie berufstätige Mütter. Also sind Kinder aus unteren sozialen Schichten und Kinder aus Migrationsfamilien unter drei Jahren proportional seltener in Einrichtungen, obwohl gerade diese Kinder davon besonders profitieren würden.

Was raten Sie unserer Bundesfamilienministerin? Soll sie eher Mittel für das Erziehungsgeld oder für den Krippenausbau bereitstellen?
Das Betreuungsgeld schafft für Frauen keinen Anreiz, trotz Kind berufstätig zu bleiben, setzt also auf Verhäuslichung. Der Bedarf an Krippenplätzen ist deutlich höher als das bestehende Angebot. Deshalb sollten die Ressourcen für den Ausbau an Kindertagesplätzen eingesetzt werden.

Werden Zweijährige nicht traumatisiert, wenn sie der familiären Umgebung entrissen werden?
Keinesfalls. Wenn die Einrichtungen eine hohe pädagogische Qualität haben, profitieren diese Kinder von Kindertagesstätten. Bei den Unter-Dreijährigen sollte der Personalschlüssel bei 1:3 oder 1:4 liegen. Es soll kleine Gruppen geben, und das Personal sollte qualifiziert sein.

Sollte deshalb die Erzieherin oder der Erzieher nicht besser wie die Lehrerin und der Lehrer an der Universität ausgebildet werden?
Es gibt international eine sehr umfassende Diskussion darüber. Die Qualität der Ausbildung muss in Deutschland tatsächlich noch erheblich erhöht werden.

INTERVIEWS: LUTZ DEBUS

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