Fast jede Kommune kann ein Lied von den Debatten rund um ihre Asylantenheime. Jeder ist dafür, dass Flüchtlingen Asyl gewährt wird – aber bitte nicht in der eigenen Nachbarschaft. In Wuppertal ist die Lage anders.
Das verdankt die Stadt ihrem Wohnungsmarkt. Sie mietet leerstehende Wohnungen an, quer über die Stadt verteilt, mal hier eine, mal dort eine. Anstatt die Flüchtlinge in Betonbaracken abzuschieben, leben sie direkt nebenan. „Dort sind sie dann keine Flüchtlinge mehr, sondern Nachbarn“, verdeutlicht Christine Roddewig-Oudnia, Leiterin des Zentrums Integration, Bildung und kulturelle Vielfalt im Ressort Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal. Sie räumt jedoch ein: „Das geht aber auch nur, weil wir hier so viel ungenutzten Wohnraum haben.“
Wuppertal verfügt über insgesamt fünf Übergangsheime. Nach der Bosnienkrise nahm die Zahl der Flüchtlinge zunächst deutlich ab – daher waren auch vorübergehend nicht mehr als diese Häuser nötig. Doch bedingt durch die Kriege und Krisen in aller Welt stieg die Zahl seit 2011 deutlich an. Bis dahin lag sie stets bei ca. 200. 2012 suchten bereits 517 Menschen in Wuppertal Zuflucht, 2013 waren es 669. Bis Juli kamen in diesem Jahr bereits 543 Flüchtlinge nach Wuppertal. Die größte Zahl unter all den vielen Nationalitäten nehmen die Syrer ein.
„Durch dieses Verfahren gibt es keine Proteste gegen Heime für Asylbewerber“ fährt Roddewig-Oudnia fort, „die wenigen Nachbarschaftskonflikte, die es mal gibt, sind die ganz normalen, zum Beispiel, wenn jemand zu laut Musik hört oder die Kinder durchs Treppenhaus toben.“
Im Prinzip verläuft die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge in drei Schritten. Den ersten bilden die Heime, damit sie möglichst rasch ein Dach über dem Kopf haben. Von dort werden sie in Übergangswohnungen einquartiert. Dann geht es nach Möglichkeit irgendwann in eine dauerhafte eigene Bleibe. Ihnen die angemieteten Wohnungen permanent zu überlassen und andernorts wieder neue zum Übergang anzumieten, ist organisatorisch zu aufwendig.
In dieser Zeit arbeitet die Stadt Hand in Hand mit den Wohlfahrtsverbänden, um den Menschen bei der Integration und dem Erwerb der deutschen Sprache zu helfen. Rechtlich betrachtet wird das Modell dadurch möglich, dass es nicht mehr die gesetzliche Auflage gibt, dass Asylbewerber grundsätzlich in einem Übergangsheim zu wohnen haben.
Damit sei allen Seiten geholfen, führt Roddewig-Oudnia aus: „Weitere Übergangseinrichtungen zu bauen, käme die Stadt um ein Vielfaches teurer als die Miete leerstehender Wohnungen. Und die Flüchtlinge können hier menschenwürdig leben.“ Andere Kommunen hätten das Modell bereits kopiert, so Roddewig-Oudnia. Wobei letztlich nicht allein die Frage entscheidet, ob es dort politisch gewollt ist – viel wichtiger ist zunächst, ob der nötige Wohnraum zur Verfügung steht. In Köln oder Düsseldorf wäre das Modell daher undenkbar.
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