engels: Herr Francke, alle Welt redet von Kreativwirtschaft. Ist diese Entwicklung an Wuppertal vorbeigegangen?
Oliver Francke: Nein, in Wuppertal existieren mit dem herausragenden Standort für Industrial Design, der Musikhochschule und den Architekten immerhin drei echte Hot Spots. Aber zugegeben, der überwiegend von Metallverarbeitung geprägte regionale Raum könnte sicher noch einiges tun, um zukunftsfähiger zu werden. Und das geschieht eben häufig durch die sogenannte Innovationsökonomie, deren Leistungsträger zu weiten Teilen aus der Kreativwirtschaft kommen. Da wird sich in der nächsten Zeit auch noch einiges verändern.
Kann man als „Kreativer“ eigentlich überleben oder gar leben?
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Tatsächlich ist die Kultur- und Kreativwirtschaft berüchtigt für ihre vielen prekären Arbeitsverhältnisse. Auf der anderen Seite ist sie aber auch drittgrößter Bruttoumsatzmacher noch vor der Chemischen Industrie in NRW. Es ist letztlich Aufgabe der Branche, sich zu organisieren, will man nicht marginalisiert werden. Wie gesagt: 315.000 Beschäftigte haben bisher kaum nennenswerte Lobbyarbeit zu verzeichnen. Einzelne herausragende Ausnahmen, wie zum Beispiel Christian Boros mit CREATIVE.NRW, bestätigen die Regel ...
Im Ruhrgebiet gibt es das U, Zollverein und viele andere subventionierte Kreativorte. Ist Wuppertal von der Landesregierung vergessen worden?
Nein, den Eindruck habe ich nicht. Im Zuge der Ziel2-Förderung hat die Bergische Entwicklungsagentur mit ihrem Projekt „Bergischer ThinkTank“ gepunktet. Dabei ging es um die Vernetzung von klassischer Industrie und Kreativwirtschaft. Das Projekt war ziemlich erfolgreich, aber nach drei Jahren eben auch wieder vorbei.
Macht die Stadt Wuppertal genug, um Kreative zu fördern?
Ehrlich gesagt glaube ich, dass bereits die Forderung eine Falsche ist. Denn die herausragende Fähigkeit der gesamten Branche ist die permanente Neuerfindung und Selbstinnovation. Das kann eine industriegeprägte und zudem arme Stadt nicht im klassischen Sinne fördern. Was Sie vielleicht kann: sich einfach ein bisschen weniger „kümmern“ und darauf vertrauen, dass aus dem, was heute noch im Verborgenen zu blühen beginnt, mal etwas wirklich Schönes werden kann.
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