Wuppertal ist eine Gefängnisstadt. Anders kann man es bei dieser Dichte kaum sagen. Gleich zwei Justizvollzugsanstalten gibt es hier. Da wäre das Jugendgefängnis in Ronsdorf. Dort ist Platz für 510 Häftlinge plus 100 Plätze für die U-Haft, aktuell sitzen 400 Verurteilte hinter Gittern. 4550 Meter Zaunanlagen rund um die zehn Hektar gibt es, verkündet die JVA vermutlich nicht ohne Stolz auf ihrer Webseite. 2011 war der 180 Millionen Euro teure Neubau für den Vollzug geöffnet worden. Für 190 Mitarbeiter ist der Knast der Arbeitsplatz.
Das andere Wuppertaler Gefängnis steht in Vohwinkel. Die JVA Simonshöfchen hat schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, ist von 1980. Von 230 Bediensteten sind 180 allein im Vollzugsdienst beschäftigt. 513 Häftlinge werden untergebracht. In Vohwinkel misst man den Sicherheitsgrad nicht in Zäunen, sondern in Mauern: 840 Meter ist sie lang, „ausgestattet mit vier Beobachtungskanzeln“. Ein Häftling kostet 90 Euro pro Tag. 2019 bis 2021 soll der Knast für 150 Millionen Euro von Grund auf saniert werden. Anfang des Jahres wurde bereits eine zwei Millionen Euro teure, bis Dezember geplante Asbest-Sanierung gestartet.
Die Geschehnisse hinter den Mauern haben die Wuppertaler Gefängnisse immer wieder in den Fokus gerückt. Allein im Jahr 2016 sorgten in Ronsdorf drei Todesfälle für Aufsehen. Am 26. April hatte sich gar eine 30-jährige Mitarbeiterin in den Diensträumen der JVA selbst getötet. Die Umstände – vermutet wurde Liebeskummer – sind ungeklärt. Am 11. Juni hatte sich ein 17-Jähriger Häftling selbst mit einem Bettlaken erdrosselt. Der junge Mann galt als selbstmordgefährdet. Am 4. Mai hatte ein 18-Jähriger seinen 20-jährigen Zellennachbarn erwürgt – vermutlich wegen 40 Euro Spielschulden. Ein Mord aus dem Nichts? „Für uns gab es keinerlei Veranlassung zu glauben, dass es zu Gewalttätigkeiten kommen könnte“, sagte die neue Leiterin Katja Grafweg damals zur Westdeutschen Zeitung.
Im Herbst letzten Jahres hatte der damalige Gefängnisleiter Rupert Koch nach heftiger Kritik an der Leitung den Gang in die Freiheit gewählt und verließ die JVA Ronsdorf. Für die neue Leiterin Grafweg sind die jüngsten Todesfälle kein leichter Start. Dabei hatte sie sich gegenüber dem WDR noch optimistisch gezeigt: „Ich habe eine sehr engagierte, junge Mannschaft vorgefunden, die bereit war, sich auf mich einzulassen.“ Die Zeit wird zeigen, ob sie die offensichtlichen Missstände ausmerzen kann.
Wuppertal ist nicht nur Vollzugs- sondern auch Ausbildungsstätte. Am Schmalenhof, in der Nähe der JVA Ronsdorf, befindet sich die Justizvollzugsschule Nordrhein-Westfalen. Dort beginnen jedes Jahr im September etwa 300 Anwärter ihre zweijährige Ausbildung – für den allgemeinen Vollzugsdienst, den Werkdienst und den mittleren Verwaltungsdienst bei Justizvollzugsanstalten. Sie ist damit nach eigenen Angaben die größte Einrichtung ihrer Art im deutschsprachigen Raum.
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