Seit 1981 setzt sich der Chaos Computer Club (CCC) als größte Hackervereinigung Europas für Informationsfreiheit und die Vermittlung technischer Entwicklungen ein. Als Grundlage dazu dient bis heute die Hackerethik mit Grundsätzen wie „Alle Informationen müssen frei sein“ und „Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung“. Anders als zur Gründerzeit des CCC, haben heute sehr viele Menschen Zugang zu Computern und zum Internet – nutzen Suchmaschinen, posten auf Social Media-Plattformen, kommen in Kontakt mit der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie oder werden Opfer von Datendiebstahl. „Da immer mehr Interessensgruppen sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik Einfluss auf unser tägliches Leben nehmen wollen, kommt dem Club durch die entsprechende Expertise eine große netzpolitische und gesellschaftliche Verantwortung zu“, sagt Patrick. Er ist Mitglied des Chaospott Essen, eines 2009 gegründeten regionalen „Erfahrungsaustauschkreises“ des CCC. „Der Club möchte Menschen befähigen, Technik zu verstehen und selbst zu gestalten, statt nur passiv zu konsumieren“, erklärt Patrick. Im Repair-Café und der Elektronikwerkstatt gibt es deshalb Hilfe zur Selbsthilfe, Besucher:innen können ihre eigenen Geräte reparieren und modifizieren.
Datenschutz-Schock
Der Chaospott klärt mit dem Projekt „Chaos macht Schule“ Kinder und Jugendliche sowie Eltern und Lehrkräfte über die Nutzung digitaler Medien und den Schutz der Privatsphäre auf, bietet Seminare an der Universität Essen sowie Workshops und Elternabende an und informiert über die Vorteile von Open Source-Software. Als Teil des Projekts sind dabei Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte entstanden, die der Chaospott frei zu Verfügung stellt, sowie leicht umsetzbare Spiele – zum Beispiel das Stammdatenspiel: Kinder sollen hierbei an einer Pinnwand persönliche Informationen in Privatsphäre-Stufen einteilen und diese anschließend mit im Internet hinterlassenen Daten in Verbindung bringen. „Häufig sind die Kinder und Jugendlichen überrascht und teils schockiert, welche Daten sie Unternehmen wie Meta, Amazon und Co. freiwillig geben und was mit diesen Daten geschieht“, berichtet Patrick. Leider würden sich hier auch einige Defizite zeigen, denn zuhause fehle es oftmals an der notwendigen Sensibilisierung für das Thema. Für Patrick umso mehr ein Grund, über den Ernst der Lage zu informieren – und nicht zuletzt die Politik in die Pflicht zu nehmen. „Doch leider profitiert der Staat durch das Anfallen von Daten und Metadaten ebenfalls und ist an einer klaren Regulation nicht wirklich interessiert“, so Patrick.
Soziale Gefahr KI
Angesichts der rasanten Entwicklung künstliche Intelligenzen (KI) werden auch Forderungen nach einer ökologisch und sozial nachhaltigen Digitalisierung lauter, wie sie der der CCC unter anderem als Teil des Bündnisses „Bits und Bäume“ vertritt. Die Hackervereinigung warnt vor der Gefahr eines digitalen Kolonialismus: Der hohe Ressourcenverbrauch von KI sei ein Problem, zudem führe sie zur Ausbeutung digitaler Arbeit und verwandele die Gedanken und Gefühle von Nutzern in Daten. Ein weiteres Risiko bestehe in algorithmischer Diskriminierung und damit einer von künstlichen Intelligenzen beförderten sozialen Ungleichheit. Doch reichen diese Argumente für ein Einschreiten der Politik aus? „Eine politische Regulation ist und kann nur das letzte Mittel sein, viel sinnvoller wäre eine Selbstregulation der Anbieter“, erklärt Patrick. „Doch vor allem aus kapitalistischen Gründen wird das wohl nicht geschehen.“
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