Kunst und Kultur machen etwas mit uns
Foto (Ausschnitt): Sergio/Adobe Stock

Inspiration für alle

25. September 2025

Teil 2: Leitartikel – Wer Kunst und Kultur beschneidet, raubt der Gesellschaft entscheidende Entwicklungschancen

Künstler:innen aus dem Ausland beneiden oft das deutsche Kultursystem und können nicht glauben, dass es im ganzen Land Theater und Orchester gibt, die überwiegend in öffentlicher Trägerschaft stehen und mit fest angestellten Künstler:innen ganzjährig Stücke produzieren. Schauspiel, Ballett, Tanztheater, Oper, Konzerte – offen für alle und mit Steuergeldern subventioniert. Nicht nur Großstädte wie Köln, Düsseldorf oder Dortmund haben eigene Bühnen und Orchester. Die haben auch kleinere Städte wie Hagen oder Neuss.

Auch Museen, Bibliotheken und Industriedenkmäler gehören zu den städtischen Kultureinrichtungen, die zusammen mit der freien Kulturszene unterschiedlichste Orte bieten, wo Kunst, Geschichte, Technik und Natur zu erleben sind. Über 3.500 Kultureinrichtungen in NRW zählte das Landesamt für Statistik in 2022, darunter weit über NRW hinaus bekannte Häuser wie die Museen K20 und K21 in Düsseldorf, die Philharmonie in Köln oder das Von der Heydt Museum in Wuppertal. Diese Einrichtungen sind in ihren Städten fest verankert. Ihre Budgets bisher ebenfalls. Landes- und Kommunalmittel sowie Stiftungsgelder finanzieren Kultur.

Wer Kultur kürzt, kürzt Wissen

Doch was passiert in Zeiten klammer Kassen? Auch wenn Studien immer wieder belegen, wie wichtig Kultur für eine Gesellschaft ist, finden Budgetkürzungen vorwiegend in sozialen und kulturellen Bereichen statt. Besonders betroffen ist die freie Kulturszene, deren Förderung auf Bundesebene im kommenden Jahr um fast die Hälfte schrumpfen soll. In Köln soll das Kulturbudget laut Haushaltsentwurf für 2025/2026 um fast 20 Prozent, etwa sechs Millionen Euro, gekürzt werden. Ähnlich sieht es in vielen weiteren NRW-Städten aus. Dabei wäre es so wichtig, mehr Geld in Kultur zu investieren. Konzerte, Lesungen, Ausstellungen dienen nicht allein der Zerstreuung, sondern vermitteln Wissen und schaffen Diskursräume.

Durch Ausstellungen zu Kulturen und Weltanschauungen stärken Museen das Verständnis für andere Lebensweisen und regen zur Reflexion über globale Zusammenhänge an. Die Auseinandersetzung mit Kunst fördert Neugier, kritisches Denken und interdisziplinäres Wissen – oft auf interaktive und kreative Weise. Sie erreicht so auch Kinder und Jugendliche, die, wie die Politik so gerne betont, unsere Zukunft sind. In Theaterstücken wie „Der Riss“ (pulk fiktion Ensemble, Köln; Tabori Preisträger 2025) werden Jugendliche dazu angeregt, sich mit Fragen des Zusammenlebens in einer multiethnischen Gesellschaft auseinanderzusetzen. In Stücken wie „Das liegt im Blut“ (Cactus Junges Theater, Münster) werden postkoloniale Sichtweisen thematisiert. Gesellschaftlich sehr relevante Themen.

Kreativität auch für Fachkräfte

„Die Förderung freier Tanz- und Theaterproduktionen für Kinder und Jugendliche ist eine politische Notwendigkeit. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung und wachsender Unsicherheit braucht es Orte, an denen junge Menschen lernen, einander zuzuhören, Vielfalt zu schätzen und sich selbst als wirksam zu erleben“, stellt Ingrida Gerbutavičiūtė fest, Intendantin des Tanzhauses NRW. Vor über 10 Jahren stellte bereits eine umfassende OECD-Studie fest, dass Kultur und kulturelle Bildung enorm wichtig sind, um Kreativität und Kompetenzen zu fördern, die für Innovationen in allen Bereichen erforderlich sind. Das heißt, nicht nur künftige Schauspieler:innen oder Schriftsteller:innen finden ihre Inspiration in Kunst und Kultur. Auch unsere zukünftigen KI-Expert:innen, Ingenieur:innen und Raumplaner:innen brauchen den Nährboden einer vielfältigen kulturellen Landschaft.

Tina Adomako

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