Composing: Robert Michalak

Ablenkungsversuch

26. März 2024

Intro – Hab’ keine Angst

Angst fasziniert. Sonst wären Geschichten über Monster, erfundene oder wirkliche Katastrophen, Schicksalsschläge oder Verbrechen nicht so erfolgreich. Die Geschichten unterhalten, helfen vielleicht, mit dem Ungeheuerlichen im eigenen Leben umzugehen, und ganz sicher verraten sie viel über die Gesellschaften, aus denen sie hervorgehen. Ängste sind lebensnotwendig, sie warnen vor Gefahren – und Anlässe dazu gibt jedes Menschen Leben reichlich. Ängste können Menschen und Gesellschaften prägen, hängen entscheidend auch von politischen Rahmenbedingungen ab, die über gesellschaftliche Teilhabe entscheiden, über Hoffnungen und Sorgen. Wie Ängste wirken und wie sich mit ihnen umgehen lässt, fragt unser Monatsthema HAB’ KEINE ANGST.

Unsere Leitartikel denken darüber nach, wie die Sorgen um Alltag und Weltgeschehen das Leben prägen, warum trotz der berechtigten Ängste vor sozialen Verwerfungen und ökologischen Katastrophen wenig dagegen getan wird und wie eine Politik aussehen müsste, die den Erfolgen der demokratiefeindlichen AfD ein Ende bereiten kann.

In unseren Interviews verrät der Psychologe Jens Plag, was jeder Mensch über Angst wissen sollte, der Psychiater Mazda Adli betont, dass es eine politische Anstrengung braucht, um mit gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels umzugehen und Miriam Witz vom Verein Mein Grundeinkommen erklärt, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen gegen gesellschaftliche Krisen helfen könnte.

In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir beim Kölner Verein Rat und Tat, wie er Angehörige von psychisch kranken Menschen unterstützt, bei der Bochumer Gruppe von Amnesty International, was sie gegen Menschenrechtsverletzungen tut und beim Wuppertaler Verein Chance 8, wie für er benachteiligte Kinder ein sicheres Umfeld schafft.

Es gehört zu einem Streik, dass er Sorgen bereitet – manchen mehr, manchen weniger. Für die vieldiskutierten Bahnstreiks gilt: Sie treffen alle. Das Personal eines Unternehmens, dessen Infrastruktur gesellschaftlich unverzichtbar ist, kämpft für bessere Arbeitsbedingungen. Angesichts dessen schüren weite Teile der Medienlandschaft in irritierender Einigkeit Ängste vor einer verantwortungslosen Streikkultur, bauen zudem den Chef der Lokführergewerkschaft GdL, Claus Weselsky, zum Buhmann auf, der hier angeblich seinen Egotrip auslebt – während er doch offensichtlich von der GdL beauftragt ist, deren Interessen zu vertreten! Der Fokus auf eine Person lenkt mutwillig von der Sache ab: Die Politik hat sehenden Auges jahrzehntelang die Bahn heruntergewirtschaftet. Grotesk unzuverlässig ist die Bahn ohnehin längst, auch ohne Streiks. Damit sich daran etwas ändert, braucht es unter anderem faire Arbeitsbedingungen. Wenn die Bahn doch so wichtig ist: Warum muss für faire Arbeitsbedingungen überhaupt so hart gekämpft werden – sollten sie nicht einfach selbstverständlich sein?

Dino Kosjak/Chefredaktion

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