
Ich bin doch nicht rechts! – lautet die Reaktion oft, wenn man Menschen darauf hinweist, dass sie rechtsaußen verortete Standpunkte vertreten. Als entschiede das Selbstbild darüber, was eine politische Äußerung bedeutet, als wäre eine menschenverachtende Überzeugung völlig okay, weil man sich selbst der „Mitte der Gesellschaft“ zugehörig fühlt. Könnte es sein, dass solch eine Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und eigenem Verhalten zum gegenwärtigen Rechtsruck maßgeblich beiträgt? Das ist eine der Fragen, die unserem Monatsthema Rechtsabbieger zugrunde liegen.
Unsere Leitartikel fragen, was Jugendliche zum Rechtsextremismus zieht, diskutieren, was an einem AfD-Verbot bedenklich wäre und beobachten, wie infolge des Rechtsrucks menschenfeindliche Positionen zunehmend als selbstverständlich hingenommen werden.
In unseren Interviews erklärt der Rechtsextremismus-Experte Michael Nattke, warum gerade diejenigen Jugendlichen, die nicht rechtsextrem sind, mehr Aufmerksamkeit verdient haben, der Politikwissenschaftler Rolf Frankenberger wägt ab, wie die Chancen für ein AfD-Verbot stehen und der Sozialpsychologe Andreas Zick diskutiert, warum rechtsextreme Einstellungen in der gesellschaftlichen Mitte zunehmen.
In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir in Köln, wie der Bereich Gegenwart des NS-Dokumentationszentrums über Rechtsextremismus aufklärt, in Bochum, wie der Antifa-Treff sich für gesellschaftliche Bündnisse gegen Rechtsextremismus einsetzt und in Wuppertal, wie die zivile Initiative „Wuppertal stellt sich quer“ dem Rechtsruck Aufklärung und Widerstand entgegensetzt.
Es ist übrigens verblüffend einfach, rechts und links politisch zu unterscheiden: Es ist rechts, von der Ungleichwertigkeit der Menschen auszugehen und für eine entsprechend hierarchische Gesellschaft einzutreten. Es ist links, von der Gleichwertigkeit der Menschen auszugehen und für gleiche Chancen und Rechte aller einzutreten. Je nachdem, wie sehr hierbei persönliche Freiheit bejaht oder bestritten wird, ergeben sich gemäßigte oder extreme Positionen. Dies fasste sinngemäß der Philosoph Norberto Bobbio vor über dreißig Jahren zusammen. Heute ist es unter anderem der Historiker Volker Weiß, der nicht müde wird, diese Einsichten zu aktualisieren. Kurzum: Wo man politisch steht, entscheidet sich nicht nach Gefühl, sondern nach klaren Kriterien. – Es könnte ein Trost sein, dass Menschen erschrecken, wenn sich ihre Meinungen als rechtsradikal erweisen, denn es ist ihnen immerhin unangenehm. Bloß, warum: aus Scham oder einfach, weil sie sich ertappt fühlen? Das hängt vom Einzelfall ab. Keine Einzelfälle allerdings sind sogenannte Mitte-Politiker und -Parteien, namentlich der CDU/CSU, die zynisch rechte Politik befeuern, etwa indem sie den Sozialstaat schwächen, eine gerechte Steuerpolitik verweigern, Konzerne vom Klimaschutz entpflichten oder noch von Rentnern fordern, mehr zu arbeiten.
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