
Gäbe es keinen Journalismus, müsste man ihn erfinden. Wer würde schon auf eine unabhängige Instanz verzichten wollen, die gesellschaftlich relevante Probleme verständlich, sorgfältig und wahrheitsgemäß aufbereitet, Betroffenen das Wort gibt, das Handeln der Mächtigen hinterfragt und für ihre eigenen Veröffentlichungen einzustehen hat? – Sie kennen Beispiele für Journalismus, auch Presse genannt, die diesen Idealen nicht annähernd entsprechen? Die kenne ich auch, zur Genüge. Journalismus steht leider zugleich für Krawall, Kampagnen, Anmaßung oder Ferne vom „Alltag der Menschen“. Unser Monatsthema Gut informiert fragt, was guten Journalismus ausmacht.
Unsere Leitartikel schätzen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) als wichtige Errungenschaft, die allerdings dringend besser werden muss, kritisieren scharf, dass journalistische Medien vielfach Meinungen ausgrenzen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und erklären, warum journalistische Verlage ihre wirtschaftliche Krise selbst verschuldet haben.
In unseren Interviews empfiehlt der Medienforscher Christoph Classen, ÖRR-Gremien so zu besetzen, dass sie die Gesellschaft repräsentieren, die Kommunikationswissenschaftlerin Marlis Prinzing leitet aus dem Unbehagen am Journalismus ab, dass Journalisten sich mehr mit der Lebenswelt ihres Publikums beschäftigen sollten und Volkmar Kah, Geschäftsführer des Landesverbands NRW des Deutschen Journalisten-Verbands, wirbt für gemeinnützige Berichterstattung, die direkt vom Publikum gefördert werden kann.
In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir in Köln, wie der WDR den Dialog mit den Menschen sucht, in Düsseldorf, wie die Landesanstalt für Medien NRW sich für Vielfalt im Journalismus einsetzt und am Zentrum für Erzählforschung der Wuppertaler Universität, wie Berichterstattung das Vertrauen des Publikums gewinnen kann.
Es ist gut, dass es nicht mehr ‚erlesenen‘ Publizistenzirkeln vorbehalten ist, die öffentliche Meinung zu prägen, stattdessen ist mit der Digitalisierung das Publikum selbst zum Sender geworden. Zugleich aber breitet sich ein Misstrauen gegen Journalismus aus, dem nicht zuletzt Unkenntnis zugrunde liegt: Beispielsweise gehören neben Berichten und Reportagen, in denen die Verfassermeinung zurückzustehen hat, auch ausdrückliche Meinungsbeiträge dazu. So eine Meinung mag schwer erträglich sein, das belegt aber noch nicht, dass hier jemand seine Kompetenzen überschreitet. Vielmehr ist sie Teil der öffentlichen Meinungsbildung – und lädt gerade zum Widerspruch ein. Auch sind Journalisten nicht neutral, sie haben Standpunkte, wählen Themen, vernachlässigen andere. Wie sollte es auch sonst sein? Eine Vielfalt von Themen und Meinungen wird am besten durch eine vielfältige Presselandschaft gewährleistet. Da allerdings gibt es tatsächlich Luft nach oben – ganz wie in anderen Branchen, in denen wenige Konzerne den Großteil des Markts unter sich aufteilen.
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