
Stell‘ dir vor, du hast dein Studium erfolgreich beendet – Germanistik, Geografie oder auch Kulturwissenschaften. Der Abschluss ist in der Tasche, doch auf die Frage „Und was jetzt?“ hast du keine Antwort. Genau hier setzt der Wissenschaftsladen (WILA) Bonn an, als größter Wissenschaftsladen der Welt mit 35 Mitarbeitenden. Er bietet Umwelt- und Bildungsprojekte, Beratungs- sowie Orientierungsangebote an.
Wissenschaftsläden verbinden Wissenschaft und Gesellschaft: Sie fördern die Forschung an gesellschaftlichen Problemen und helfen dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse an die Zivilgesellschaft zu vermitteln. Mit der digitalen Zeitschrift WILA Arbeitsmarkt unterstützt der WILA Bonn außerdem Absolventen von Studiengängen, die nicht direkt auf ein Berufsfeld zuzielen, bei der beruflichen Orientierung. „Das Generalistenproblem besteht bis heute“, erklärt Krischan Ostenrath, Chefredakteur des WILA Arbeitsmarkts. Anders als Zahnärzte oder Lehrämtler, deren berufliche Wege meist vorgezeichnet seien, stünden Geistes- und Sozialwissenschaftler oder manche Naturwissenschaftler vor besonderen Herausforderungen beim Einstieg in oder der Umorientierung auf dem Arbeitsmarkt.
Fachkräftemangel ohne Akademiker
Um diesen Bedarf zu decken, stellt der WILA Arbeitsmarkt wöchentlich über 1.300 Stellen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zusammen. Ergänzt wird das Angebot durch einen redaktionellen Teil zu ausgewählten Themen oder Arbeitsbereichen. „Wir sind keine von Arbeitgebern bezahlte Stellenbörse, sondern verstehen uns als Orientierungsdienstleister“, so Ostenrath. Neben dem Stellenangebot gibt es Berufsorientierungsprojekte, Seminare, eine Hotline sowie die Möglichkeit der Einzelfallberatung.
Momentan sieht Ostenrath zwei zentrale Herausforderungen für akademische Generalisten. Zum einen die Rede vom angeblichen Fachkräftemangel, der jedoch vor allem Ausbildungsberufe betrifft. „Die Generalisten kriegen davon gar nichts mit. Es ist nicht so, als hätten wir einen Mangel an Germanist:innen oder Historiker:innen. Der Fachkräftemangel betrifft eher Ausbildungsberufe, z.B. im Baugewerbe, in der Pflege oder im IT-Bereich. Die Generalisten haben die Schwierigkeit, dass es ein Phänomen ist, mit dem sie gar nichts zu tun haben“, erklärt Ostenrath. Zum anderen nennt er die Akademiker-Arbeitslosenquote, die laut der Bundesagentur für Arbeit 2023 zwar lediglich bei 2,5 Prozent lag, aber im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen ist. Die Arbeitsmarktlage für Akademiker wird insgesamt also schwieriger.
Arbeitsagenturen stärken
Auch die anstehenden Neuwahlen werden laut Ostenrath die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht stark verändern – zumindest nicht für akademische Generalisten. Stattdessen würden wenig zielführende Maßnahmen diskutiert, etwa Sanktionen für Leistungsbezieher. „Es gibt eine Menge Hinweise, dass es keinen positiven Effekt auf die Vermittlungsquoten hat, wenn man die Leute gängelt“, kritisiert er. Viel wichtiger wäre es, die Arbeitsagenturen so zu stärken, dass auch schwierigere Klientel besser vermittelt werden können.
Am Ende bleibt es laut Ostenrath jedoch die Aufgabe jedes akademischen Generalisten, den eigenen Weg auf dem Arbeitsmarkt zu finden. „Daran wird die Bundespolitik nur wenig ändern. Die Parteien haben die akademischen Generalisten kaum auf dem Radar, vermutlich auch, weil sich damit keine Wahlen gewinnen lassen.“ Der WILA Bonn begegnet hier also einem Problem, das bestehen bleibt – auch nach der Neuwahl.
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