
„Wir sind nicht so ein übergeordnetes Kulturamt“, sagt Julia Wessel und macht so schnell klar, was das Kulturbüro Wuppertal ist – und eben was nicht. „Zwar sind wir Teil der Kulturverwaltung, dabei aber vor allem für die freie Szene zuständig.“ Wer an graue Verwaltungsflure denkt, liegt falsch. Der Flur des 200 Jahre alten Hauses an der Friedrich-Engels-Allee in Barmen ist reich verziert, wie es sich für eine Stadtvilla gehört. Sie steht ein wenig für die um sich greifende Krise der Kulturszene: Die goldenen Zeiten mögen lange her sein, doch unterkriegen lässt man sich hier nicht. Das Kulturbüro versteht sich als Partner der vielfältigen Kulturszene in der Stadt.
Starke Anträge
„Unser Fokus liegt auf Förderung“, sagt Julia Wessel, stellvertretende Leiterin des an das Kulturdezernat angeschlossenen Büros. Nicht selten endet das in ganz praktischen Tipps: „Unser Ziel ist es, Anträge so stark zu machen, dass sie theoretisch nicht mehr abgelehnt werden können.“
Doch ganz so einfach ist die Sache mit der Finanzierung leider nicht – wenig verwunderlich. Insgesamt stehen für das freie, also nicht direkt von der Stadt betriebene, Kulturschaffen in Wuppertal 1,344 Millionen Euro zur Verfügung – klingt nach viel, ist aber größtenteils durch festgelegte Zuschüsse gebunden. Für Projektförderung, also für Geld, mit dem sich neue Ideen überhaupt erst realisieren lassen, blieben im Jahr 2024 rund 117.000 Euro. „Für größere Produktionen reicht das kaum aus“, räumt Wessel ein. Der Bedarf übersteigt das Budget bei weitem.
Keine Garantie
Dass Kulturförderung immer auch ein Aushandeln ist, spürt man in Wuppertal genauso wie anderswo. Anträge auf regelmäßige institutionelle Förderung müssen durch den Stadtrat. Hier berät das Kulturbüro sowohl Antragsteller als auch die Politik. „Inklusive und diverse Projekte werden positiv gesehen“, so Wessel, „aber es gibt keine Garantie auf Förderung“.
Geld und Orientierung
Ein zentraler Teil der Arbeit des Teams ist auch die Vernetzung, das Kulturbüro versteht sich nicht nur als Geld- sondern auch als Impulsgeber. Wer als Künstlerin oder Kollektiv nach Wuppertal kommt, landet früher oder später beim Kulturbüro. Hier gibt es Informationen zu städtischen wie überregionalen Fördertöpfen, Einblicke in die Szene und Kontakte. Einerseits geht es um kulturpolitische Strategien, andererseits um pragmatische Hilfe im Einzelnen: Wer fördert was, wie läuft das Verfahren, und welche Formulierungen erhöhen die Chancen? So wird das Kulturbüro zum Wegbereiter für Projekte, die ohne Orientierungshilfe vielleicht schon am Formular scheitern würden.
Mobil und flexibel
Die freie Szene dürfe nicht als Nischenangebot verstanden werden, sondern als Querschnitt der Gesellschaft. Für Julia Wessel ist klar: „Kulturpolitik darf nicht nur an großen Häusern hängen. Sie muss das abbilden, was die Stadt wirklich ausmacht.“ Die freie Szene in Wuppertal ist stark, dynamisch und vielfältig. Eher noch als große Theater, die an Spielzeiten auf mindestens ein Jahr im Voraus gebunden sind, ist sie mobil und flexibel. So gut wie tagesaktuell kann sie gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen, kommentieren und diskutieren.
Politische Perspektiven
Kultur sei eben nicht Beiwerk, sondern „demokratierelevant“ – gerade, weil sie Fragen stellt, Perspektiven öffnet und gesellschaftliche Vielfalt sichtbar macht. Sie sorgt für Zugänge und Verständnis. Darum sei es wichtig, dass Kultur in politischen Debatten nicht zur Nebensache wird. „Wir wünschen uns ein stärkeres Bewusstsein für den Stellenwert von Kunst und Kultur“, sagt Julia Wessel, „und wir sind dafür da, sie zu schützen und zu stärken“.
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