Bei einem Kochprojekt des Kinder- und Jugendzentrums Dachlow
Foto: Zurück in die Zukunft e.V.

Wieder selbstbestimmt leben

30. Mai 2023

Kölns interkulturelles Zentrum Zurück in die Zukunft e.V. – Teil 2: Lokale Initiativen

Begegnung auf Augenhöhe, darin liege der Schlüssel zu Integration, ist Ewan Asmerom überzeugt. Oft gebe es wenig Berührung zwischen den Lebenswelten von Zugezogenen mit internationaler Familiengeschichte und alteingesessenen Kölnerinnen und Kölnern. „Das führt dazu, dass Gruppierungen nebeneinanderher leben“, so Asmerom. Seit sieben Jahren arbeitet sie in der Nippeser Geschäftsstelle des Interkulturellen Zentrums, das Familienbildung, Beratung für Zugezogene, Integrationskurse, niederschwellige Deutschkurse und Freizeitangebote anbietet. Sie betont, ausschlaggebend für die interkulturelle Arbeit sei, dass es konkret um Dinge geht, bei denen alle Beteiligten „etwas zu bieten haben“ – beispielsweise Kochkurse.

Zum Verein gehören außerdem das Nippeser Jugendzentrum Dachlow sowie das Flüchtlingszentrum Fliehkraft. Der Verein entstand 1991 aus einem Selbsthilfeprojekt türkischer Jugendlicher. Deren Leben war geprägt von Perspektivlosigkeit, Schlägereien und Straftaten. Zusammen mit Bewährungshelfern, dem interkulturellen Dienst Köln und Nippeser Beschäftigungsinitiativen gründeten sie den Verein Zurück in die Zukunft. Die Idee: Die Jugendlichen wollten sich wieder aktiv um ihre Zukunft kümmern. Ein leerstehendes Ladenlokal in Nippes bauten sie zu einem Jugendcafé und zur Anlaufstelle aus.

Kickern, Mittagessen und Hausaufgaben

Siebzehn Jahre später entstand das Jugendprojekt Dachlow, auch hier halfen Jugendliche tatkräftig mit. Es wird bis heute gut besucht, Kinder und Jugendliche mit und ohne internationale Familiengeschichte können hier Kickern, Mittag essen, sich bei bei den Hausaufgaben helfen lassen oder an Projekten teilnehmen.

Im Jahr 2007 übernahm der Verein zusammen mit dem Kölner Flüchtlingsrat die Trägerschaft für das einzige Kölner Flüchtlingszentrum FliehKraft. Bildungsangebote, individuelle Beratung, Sprachkurse und Workshops im Kultur- und Freizeitbereich sollen die Lebensperspektive von Geflüchteten verbessern und über Fluchtursachen und Herkunftsländer aufklären.

Sara Ludwig, die das Flüchtlingszentrum leitet, erklärt, wie der Integrationsgedanke hier gelebt werden kann: „Die Frauen in den Kursen sollen ermutigt werden, aktivere Rollen einzunehmen – beispielsweise eine Leitungsfunktion in der Gruppe. Mit zwei Frauengruppen werden Essensangebote für Feste organisiert, die sehr gut angenommen und häufig nachgefragt werden. Langfristig sollen die Teilnehmerinnen das Projekt in Eigenverantwortung weiterführen.“

Vertrauen in eigene Fähigkeiten

Noch im laufenden Jahr sollen Zugezogene Nähkurse anbieten. Die Planung solcher Angebote erfordere auch Überzeugungsarbeit. Viele müssten wieder lernen, in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und Sichtbarkeit – darum gehe es bei der Arbeit des Vereins im Wesentlichen, so Ewan Asmerom.

„Eine weitere Hemmschwelle für interkulturelle Begegnungen ist auch die Sprache“, erklärt Asmerom. Deutschkurse seien daher eine Grundlage. Es käme vor, dass sich Frauen im Zentrum träfen, um dann gemeinsam einen externen Kurs zu besuchen, auch das helfe, Hemmschwellen zu überwinden.

Der Verein plant, noch mehr Kurse für ein breites Publikum anzubieten, beispielsweise Yoga- oder Kochkurse, interkulturelle Lesungen oder Konzertabende.

 

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Mareike Thuilot

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