„Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten“

20. Dezember 2010

Arif Izgi zu Extremismus und Fremdenfeindlichkeit in Vohwinkel - Thema 01/11 Frohes Vohwinkel?

engels: Herr Izgi, wie lebt es sich in Vohwinkel mit Migrationshintergrund?
Arif Izgi: Wie in allen anderen Stadtteilen auch lebt es sich recht gut in Vohwinkel. In unserem Stadtteil gibt es gute Jugendeinrichtungen, die eine hervorragende Arbeit machen und zur Integration der verschiedenen Bevölkerungsgruppen beitragen.

Sehen das alle so?
Nein, die NPD in Wuppertal zum Beispiel versucht, zwischen Menschen ausländischer Herkunft und die schon seit Generationen hier lebenden Menschen einen Keil zu treiben. Es werden entsprechende Flugblätter verteilt, die das Klima vergiften.

Was ist zu tun?
Die NPD ist eine zugelassene Partei. Insofern dürfen diese Leute auch Flugblätter verteilen. Allerdings kommt es darauf an, was in solchen Flyern steht. Oft sind die Texte recht vorsichtig formuliert. Trotzdem bilden einige Aussagen meiner Meinung nach eine Hetzkampagne gegen Migranten.

Besonderes Augenmerk richtet die NPD auf die Moschee am Hammerstein. Unterscheiden sich die drei Moscheen in Vohwinkel sehr?
Die Moscheen an der Spitzwegstraße und an der Vohwinkler Straße sind gemäßigt. Die Moschee am Hammerstein wird in der Öffentlichkeit anders dargestellt. Ein Vertreter der Moschee rief mich an, beklagte sich über diese seiner Meinung nach einseitige und unzutreffende Darstellung. Ich selbst kann mir noch kein Urteil erlauben, da ich noch nicht dort war.

In Pakistan wurde ein junger Deutscher türkischer Abstammung, der zuvor in Vohwinkel gewohnt hatte, von einer Rakete der US-Streitkräfte getötet. Kann man hier zum Islamisten werden?
Nein, nur weil es diesen einen tragischen Fall gab, kann dies nicht heißen, dass alle Menschen islamischen Glaubens nun Anhänger von Bin Laden sind.
Wie kann verhindert werden, dass Menschen von extremistischen Gruppen angeworben werden?
Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten. Sowohl Deutsche wie Migranten, die sich zu extremistischen Gruppen hingezogen fühlen, müssen erklärt bekommen, was sich hinter diesen Gruppen verbirgt. Und wir müssen den jungen Menschen klar machen, dass wir hier in Deutschland ein wertvolles demokratisches System haben, auf das wir stolz sein können.

Arif Izgi
Foto: privat
Arif Izgi (52) ist Bauingenieur bei der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Wuppertal GWG, Sozialdemokrat und Stadtverordneter für Vohwinkel.



Lutz Debus

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