Rasmus Baumann
Foto (Ausschnitt): Marcel Kusch

Günstige Städtereisen

29. September 2025

Die Neue Philharmonie Westfalen tourt durchs Ruhrgebiet – Klassik an der Ruhr 10/25

In modernen Zeiten und bei immer erschwinglicheren Kosten haben sich Städtereisen beinahe als Volkssport etabliert. Aber auch in früheren Zeiten boten Reisen dem kulturell interessierten Bildungsbürgertum stete Erbauung – berühmt wurden die Reisen Goethes nach Italien oder Mozarts Reise nach Prag. Bei Musikern wie Mendelssohn blieb ab und an eine „schottische“ oder eine „italienische“ Sinfonie hängen und spiegelte die Erlebnisse in fernen Landen. Und manchmal traten neben die „äußeren“ Reisen die „innere“ Reisen in den Geist eines Landes oder einer Stadt. Um solche Reisen kümmern sich jetzt die Neue PhilharmonieWestfalen und Generalmusikdirektor Rasmus Baumann in ihrem 2. Sinfoniekonzert „Städtereisen“ mit Melodien verschiedener Großstädte aus dem Geiste eindeutiger Kenner.

George Gershwin wurde in seinem Orchesterstück „Ein Amerikaner in Paris“ berühmt für den Einsatz von vier gestimmten Taxihupen, um das Flair der Metropole abzubilden. Jahre zuvor hatte er bereits den Sound des Big Apples porträtiert, in seinem Klavierkonzert in F-Dur. Mit dem stilistisch breit aufgestellten Pianisten Frank Dupree reisen die Westfalen nach New York, um dem Sound der 20iger Jahre des letzten Jahrhunderts nachzuspüren, dieser Melange aus klassischem Konzert und fiebrigem Jazz, einer einzigartigen Mischung in diesem „Melting Pot“ der Kulturen. Gershwin begab sich damit wie schon andere vor ihm auf die Suche nach „der“ amerikanischen Musik – und wurde fündig.

Nach Südamerika entführt Astor Piazzolla in seinem „Tangazo“ – Variationen über Buenos Aires. Der Erfinder des Nuevo Tango schrieb diese Musik 1969, und das Temperament seiner Stadt gipfelt im erwachenden Tango, zu dem die konservativen Geigen zu Perkussionsinstrumenten mutieren – Klangbilder pulsierender Metropolen erfordern ausgefallene Mittel. So setzt auch Fazil Say in seiner „Istanbul Symphony“ auf Klangfarben seiner Heimat, er wählt türkische Originalinstrumente plus klassisches Orchester für sein Stadtportrait. Der Pianist und Komponist schrieb diesen musikalischen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident für die Kulturhauptstädte Istanbul und das Ruhrgebiet. Und der politisch ambitionierte Say wäre nicht Say, wenn er nicht Fanatismus, Radikalismus und Fundamentalismus in Tönen geißele – der Präsident hält ihn im Auge.

2. Sinfoniekonzert „Städtereisen“ | Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen | 6.10. | Ruhrfestspielhaus, Recklinghausen | 7.10. | Konzertaula, Kamen | 8.10. | Kulturzentrum Herne | 9.10.

Olaf Weiden

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