Einfach Tiere – Katzen, Füchse, Pferde – inmitten der Natur. Der im Ersten Weltkrieg gefallene Franz Marc (1880-1916) wurde berühmt mit seinen lichtdurchflutet farbigen Gemälden mit prismatisch abstrahierten Tierdarstellungen, die flächig in den Farbgrund eingebettet sind. Seine Bilder sind hochkarätige Beiträge zur Entwicklung der Moderne, besonders zum Expressionismus. Franz Marc verstand sie als Gegenentwurf zu den unruhigen, kritischen Zeiten, die er, sensibilisiert als Mitglied der Künstler:innengemeinschaft „Blauer Reiter“, vor allem in München erlebte. Den Unsicherheiten des frühen 20. Jahrhunderts setzte er die Harmonie der Natur entgegen. Zugleich wollte er aus einer pantheistischen Weltsicht heraus das innere Wesen der Tiere erfassen. Mit der Ausstellung in der Kunstsammlung NRW ist hierzulande nun erstmals seit zwei Jahrzehnten eine Retrospektive zu sehen, und zwar richtig: Mit Leihgaben aus aller Welt umfasst sie etwa die Hälfte der erhaltenen Gemälde, begleitet von Papierarbeiten und frühen Bronzeplastiken.
Tiere kommen bereits früh in seinem Werk vor. Auf einer winzigen Holztafel ist ein Spatz (1905) naturalistisch mit breitem Pinselstrich gemalt, aber er liegt tot auf dem Rücken – schon das ist ein Statement. Beeinflusst von Künstlern wie Gauguin, Kandinsky und Delaunay und im Austausch mit August Macke, wendet sich Marc bald darauf dem Fauvismus und dem Kubismus zu. Er erfasst nun die Wirklichkeit neuartig, verknappt und abstrahiert sie und verschränkt sie dynamisch. Mit seinen anschließenden Darstellungen klärt er das Bildgeschehen wieder und hält es doch, schon im Ausschließlichen der Tiere, auf Abstand zur städtischen Realität, in der sich noch der Krieg anbahnte. Als Soldat an der Front hat Marc dann Skizzen angefertigt. Die Pferde, denen er sich mit Empathie zugewandt und die er in der Kaserne gepflegt hat, wirken in seinen späten Bildern verloren und ausgemergelt. Marc träumte in seinen Bildern von einer besseren Welt. Dass man sein Werk nun so großzügig sehen kann, ist ein Ereignis, auch als Trost und Hoffnung auf bessere Zeiten.
Franz Marc – Die Suche nach einer besseren Welt | bis 24.1. | K20 Kunstsammlung NRW in Düsseldorf | 0211 838 12 04
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