Ein wenig Kalkül dürfte schon dabei gewesen sein. Doch wer mag es dem Dortmunder Intendanten verdenken: Nur gut einen Monat nachdem Katharina Wagner auf dem Grünen Hügel ihre Version von Urgroßvaters „Tristan und Isolde“ präsentiert und dabei für einiges Aufsehen in der Opernwelt gesorgt hatte, eröffnet auch das Theater Dortmund die neue Saison mit einer modernen Fassung von Richard Wagners „Oper der Ekstasen“.
Bayreuther Glanz an der Emscher verströmen bereits die Gastsolisten: Die britische Sopranistin Allison Oakes bringt drei Festivalsommer Erfahrung aus Bayreuth mit. Als Isolde allerdings ist es ihr Rollendebüt in Dortmund – und zwar ein fulminantes. Oakes ist eindeutig der Star dieser Produktion. Wirkt ihr Timbre im ersten Eindruck noch sehr jugendlich und schlank, so entwickelt sie zunehmend eine dramatische Tragfähigkeit und Gestaltungskraft, die beeindruckt und hinreißt.
Der kanadische Tenor Lance Ryan gehört zu dem unglücklichen halben Dutzend Sänger, das jüngst einer Umbesetzung bei den Wagner-Festspielen zum Opfer fiel. Statt den Siegfried in Bayreuth singt er nun den Tristan in Dortmund. Zuweilen klingt er ein wenig schneidend in den Höhen, hat dafür aber ausgeprägte lyrische Qualitäten und beweist sich über die drei kräftezehrenden und anspruchsvollen Aufzüge als Heldentenor von internationalem Format. Mit dem Bayreuther Publikum war Ryan nicht warm geworden. Die Dortmunder Premierenbesucher wissen seine Qualitäten durchaus zu schätzen, Buh-Rufe muss allein Regisseur Herzog über sich ergehen lassen.
Was man Herzog übelnehmen kann, ist, dass er den Wagnerianern kein Pathos und keine Mystik mehr gönnt. Sein Tristan ist gnadenlos bodenständig. Selbst die „magische“ Amour fou, die das Paar in den Untergang treibt, hat einen überaus profanen Grund: Tristan und Isolde haben sich – als „Liebestrank“ Brangänes – eine heftige Droge eingepfiffen und sind im Rausch übereinander hergefallen. Droge und Hormone rauben ihnen den Sinn für die Realität. Der überwältigende Drang zum Eskapismus ist bei Herzog nachvollziehbar: Denn König Marke hat er zu einem Militärdiktator gemacht, Tristan zu einem seiner Offiziere, der unter anderem auch Todesurteile vom Schreibtisch aus abwickelt. Bereits ins Vorspiel des Orchesters hinein fällt der tödliche Schuss.
Auch Gabriel Feltz trägt am Pult der Dortmunder Philharmoniker nicht dick auf, schont dadurch die Sänger, behält aber die Spannungsbögen im Blick. Der Zauber der Weltschmerz-gesättigten Partitur kommt durchaus zur Geltung. Der Dortmunder Tristan ist trostlos – und dabei doch nicht ohne Reiz.
„Tristan und Isolde“ | R: Jens-Daniel Herzog | Sa 3.10., So 22.11., So 17.1. 16 Uhr | Opernhaus Dortmund | 0231 502 72 22
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