Foto: Bernadette Grimmenstein

Tastenlegende auf Tournee

30. Juni 2025

Herbie Hancock in der Philharmonie Essen – Improvisierte Musik in NRW 07/25

„Er ist der Größte!“, soll der franko-amerikanische Pianist Jacky Terrasson über Herbie Hancock gesagt haben. Als junges Talent durfte Terrasson ein Warm-up für das Konzert mit Hancock spielen und vorführen, welche stilistische Vielfalt ein junger Pianist beherrschen muss. Den Spruch vom „Größten“ gebot nicht nur aufgesetzte Höflichkeit, sondern er findet Zuspruch in Kreisen von Kennern und Jazzfans. Auch Herbie selbst scheint sich mit der Rolle des Ersten unter Gleichen abzufinden: Lange ward keine so protzig aufgepolsterte, brokatrot schimmernde, extrabreite Klavierbank für mindestens drei Personen gesichtet wie beim Konzert zum 65. Geburtstag in der Kölner Philharmonie – das ist zwanzig Jahre her.

Herbie Hancock – der am 9. Juli in der Essener Philharmonie zu Gast ist – füllte bereits damals dieses XXL-Möbel aus, als Persönlichkeit, versteht sich. Die Zeit scheint heimlich an diesem Musiker vorbei geschlichen zu sein, der im April sein 85. Lebensjahr vollendet hat und zielstrebig auf sein 70. Bühnenjubiläum zueilt. Der stilistisch wandelbare Virtuose begann seine Karriere mit der ersten und besten Adresse: als Haus- und Hofpianist des Labels Blue Note, heute Symbol für den Mainstream der Jazzlegenden. Er prägte verschiedene Musikepochen immer ganz vorn und stilbildend mit. 

Miles Davis selbst schrieb bereits rückblickend in seiner Autobiografie vor 25 Jahren: „Herbie war der nächste Schritt nach Bud Powell und Thelonious Monk – und bisher habe ich niemanden gehört, der nach ihm gekommen ist.“ Miles verteilte schon immer den Ritterschlag im Jazz zu seiner Zeit. Hancock bewegt sich heute für Jazzpianisten als das Maß aller Dinge. Dazu gehört auch, dass seine Programme wie jetzt in Essen mit Begleitern wie Terence Blanchard oder Lionel Loueke stets das Publikum fordern, nie nur warme Brise guter Unterhaltung bieten.

Als Vorsitzender des Thelonious Monk Institute of Jazz, das jetzt schon länger Herbie Hancock Institute of Jazz heißt, kümmert er sich um die personelle Zukunft, als Mitbegründer des International Committee of Artists for Peace um die Welt. Die französische Regierung ehrte ihn mit der Auszeichnung Commandeur de l‘Ordre des Arts et des Lettres. 2011 wurde Hancock zum UNESCO-Botschafter des guten Willens ernannt. Mehr als guter Wille führt ihn jetzt nach Essen.

Herbie Hancock | Mi 9.7.2025 | Philharmonie Essen | 0201 812 22 00

Olaf Weiden

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