Wird der Mensch wirklich groß durch Liebe, größer aber noch durch Leid? Aus der Sicht von Jules Paul Barbier, dem Librettisten von „Les Contes d’Hoffmann“ stimmt das, denn sein Schriftsteller versinkt am Ende in Alkohol und Manuskripten, gelenkt von seiner Muse, die ihn nicht an eine bürgerlich-geordnete Ehe mit der Sängerin Stella verlieren will. Die Kunst fordert Opfer, und wenn es das Leben selbst ist.
Offenbach plante eine große fünfaktige Opéra-lyrique als Hommage an den Dichter E.T.A. Hoffmann, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr in der literarischen, leider aber kaum in der musikalischen Welt gefeiert wird. Und die Oper Köln wollte „Hoffmanns Erzählungen“ als Hommage an den großen Sohn der Stadt in der ersten Spielzeit im renovierten Haus präsentieren. Daraus wurde nun beinahe nichts – denn „technische Rahmenbedingungen“ machen einen Strich durch die Rechnung: Stefan Herheims zuvor für Bregenz erarbeitete aufwändige Inszenierung lässt sich angesichts offenbar gravierender Probleme bei Software und Bühnentechnik nicht realisieren.
Aber die Kölner Oper ist ja Improvisation gewöhnt: Die „Hoffmann“-Premiere am 28. November geht dennoch über die Bühne. Kurzfristig hat der brasilianische Opernregisseur André Heller-Lopes übernommen, eine szenische Fassung in eigenem Bühnenbild zu entwickeln. Heller-Lopes hat in ganz Lateinamerika, in London, am Landestheater Salzburg und in Erfurt („Aida“) inszeniert. „Wir freuen uns, mit dieser Lösung eine künstlerisch eigenständige und spannende Perspektive auf Jacques Offenbachs Meisterwerk zu präsentieren und zugleich die bestmöglichen Voraussetzungen für einen verlässlichen Spielbetrieb zu schaffen“, heißt es in der Pressemitteilung der Oper Köln. Die musikalische Leitung bleibt in den Händen von GMD Andres Orozco-Estrada. Die Titelrolle singen alternierend die Tenöre Young Woo Kim und Enea Scala. Alina Wunderlin, die ihre Karriere im Kölner Opernstudio begann, wird als Olympia / Giulietta zu erleben sein.
Hoffmanns Erzählungen | Premiere 28.11. | 2., 4., 10., 17., 19., 22., 26., 31.12., 3.1.; 14., 27.2. | Oper Köln | 0221 221 28400
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