Rein rechnerisch ist es beinahe eine Punktlandung. Aus der Perspektive geschickten Marketings allerdings ist Dortmunds Intendant Jens-Daniel Herzog schon reichlich spät dran mit seinem Verdi. Dessen Geburtstag hat sich zwar erst kürzlich zum 200. Mal gejährt, doch den Musikbetrieb hat das wenig geschert. 2013 wurde insgesamt zum „Verdi-Jahr“ erklärt und entsprechend bereits im Januar eröffnet. So ist Herzog mit seiner Inszenierung des „Don Carlo“ nun schon der Dritte, der Verdis Schiller-Adaption im Ruhrgebiet auf die Bühne bringt. Hagen und Gelsenkirchen hatten Verdis letzte„Grandopéra“bereits in der vergangenen Saison auf dem Spielplan.
Tragisch ist das letztlich aber nicht. Selbst wer als hartgesottener Verdi-Fan keine Produktion ausgelassen hat, bekommt von Herzog etwas völlig anderes zu sehen. Augenfällig suchen Regisseur und der Ausstatter Mathis Neidhardt jedenfalls nach der Verbindung von Altem und Modernem. Die Protagonisten staksen in schweren Roben und Halskrausen umher, als seien sie soeben einem Ölgemälde aus dem 16. Jahrhundert entstiegen. Tatsächlich sind sie in Herzogs Fassung so etwas wie lebende Fossilien, um die herum sich die Welt völlig gewandelt hat. Das Militär trägt längst Stahlhelm und Gewehr, die Hofdamen aktuelle Haute Couture am Swimmingpool. Und der einstige Glanz des nun bröckelnden Escorial ist nur noch zu erahnen. So wird auch plausibel, warum König Philipp so gar nicht begreift, was Posa eigentlich von ihm will, wenn er Gräuel beklagt und Freiheit für Flandern fordert. So weit trägt Herzogs Konzept. Szenisch funktioniert es nur bedingt. Für die Personenführung hat es geradezu kuriose Konsequenzen. So sind die aus der Zeit gefallenen Protagonisten zu steifen Gesten und Rampengesängen verdammt, während nennenswerte Action lediglich um sie herum passiert.
Mit größerer Spannung als die Inszenierung dürfte das Publikum indes die musikalische Seite dieser Produktion erwartet haben. Gabriel Feltz heißt Dortmunds neuer GMD, der die Nachfolge von Jac van Steen angetreten hat. Mit „Don Carlo“ dirigiert er die erste Oper in Dortmund und legt sich entsprechend ins Zeug. Vielleicht ein wenig zu viel. So manches Mal wirkt sein Dirigat eher detailversessen als überblickend – dafür gelingt ihm ein sattes, warmes Klangbild. Auf seine Solisten braucht er nicht allzu viel Rücksicht zu nehmen. Der kanadische Tenor Luc Robert gibt in der Titelpartie von Beginn an so viel Kraft, als gelte es, das gesamte Orchester an die Wand zu singen. Robert hat die nötige Kondition dafür, lässt seine Mitsänger dadurch aber manchmal blasser wirken, als sie eigentlich sind. Bariton Gerardo Garciacano etwa singt einen facettenreichen Posa, dem der Wettstreit um Lautstärke nicht immer gut tut. Susanne Braunsteffer entwickelt als Elisabetta ein enormes Charisma und dramatische Stärke. Einzig Katharina Peetz hat mit ihrer Partie der Prinzessin Eboli mitunter hörbar zu kämpfen.
„Don Carlo“ I 8./16.11. 19.30 Uhr I Oper Dortmund I 0231 502 72 22
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