Sympathisch ist Manon Lescaut nun wirklich nicht: dieses Luxus-Püppchen, das von den Männern nimmt, was ihr gerade als das beste Angebot erscheint. Der alte, aber reiche Geronte ist immer dann ihr Favorit, wenn‘s ums Bezahlen geht. Als Liebhaber aber ist der junge Des Grieux der bessere Fang. Auf Dauer kann ein solches Dreieck nicht gutgehen. Letztendlich aber mündet Manons doppeltes Spiel erst dann ins Desaster, als sie selbst im Augenblick höchster Gefahr nichts Besseres zu tun hat, als – anstatt sofort zu fliehen –ihren teuren Schmuck zusammenzuraffen. Abgezockter geht’s kaum noch. Diese Frau ist eiskalt – sagen die äußeren Umstände. Die Frau ist voller „rasender Leidenschaft“ – fand Giacomo Puccini und feierte mit seiner Oper nach dem Roman von Abbé Prévost einen seiner größten Erfolge.
Dass schon Puccinis Zeitgenossen ihre Probleme mit dieser Sicht hatten, zeigt die große Zahl der Librettisten, die der Komponist verschlissen hat, weil keiner es ihm rechtmachen konnte. Warum sollte es einem Regisseur gut 100 Jahre später damit besser gehen. Stefan Herheim jedenfalls macht keinen Hehl daraus, dass er mit Puccinis eigensinniger Sicht auf Manon Lescaut und dem daraus resultierenden dramaturgischen Flickwerk ebenfalls nicht so viel anfangen kann. Sechs Jahre nach seinem großartigen Don Giovanni kehrt er an die Aalto-Oper zurück – allerdings mit einer Produktion, die nach Graz und Dresden bereits im dritten Aufguss nach Essen gekommen ist.
Herheim will Puccinis Ideen von Freiheit, Liebe und Weiblichkeit als „männliche Konstruktionen“ enttarnen – beschert damit aber vor allem seiner Darstellerin eine überaus undankbare Rolle. Ein spürbarer Teil des Publikums nimmt es der Sopranistin Katrin Kapplusch geradezu persönlich übel, dass die Regie sie zu derart kühler Distanziertheit verurteilt hat, während Des Grieux – bei Herheim ist er der Schöpfer der Freiheitsstatue – sich mehr für seine Lady Liberty als für Manon interessiert. Verdient hat Kapplusch solchen Unmut sicher nicht. Sie singt ihre Partie sehr sicher und präsent. Dass es mitunter am erotischen Unterton mangelt, lässt sich ihr kaum vorwerfen.
An Ideen fehlt es Herheim wie gewohnt nicht. Die Freiheitsstatue als männliches Frauenbild aus Stahl und Beton ist kein schlechter Ansatz. Dass er Puccini in einer stummen Rolle aus dem Hintergrund agieren lässt und damit seine Probleme mit der dramaturgischen Ignoranz des Komponisten ironisch thematisiert, wirkt intelligent und witzig. Am Ende aber klaffen Musik und Inszenierung so weit auseinander, dass der Zuschauer das Interesse an den Figuren verliert.
Musikalisch garantiert Gastdirigent Giacomo Sagripanti indes mit den Essener Philharmonikern eine solide Grundlage in einem schönen, ausgewogenen Klangbild. Neben Kapplusch als sehr reif wirkender Manon agiert Gaston Rivero als jugendlicher Des Grieux mit lyrischer Differenziertheit, aber leichten Schwächen im hohen Register.
„Manon Lescaut“ | So 2.11. 16.30 Uhr, Do 6.11., Do 20.11. je 19.30 Uhr | Aalto-Musiktheater Essen | 0201 812 22 00
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