Paolo Fresu
Foto: Roberto Cifarelli (Ausschnitt)

Verschiedene Welten

06. Mai 2024

Drei Trompeter besuchen das Ruhrgebiet – Improvisierte Musik in NRW 05/24

Der Mann spielt Jazztrompete. Mit diesem Satz ist nicht viel gesagt, wie jetzt der Monat Mai mit seinen Gästen im Ruhrgebiet zeigt. Gleich drei Männer mit Trompeten besuchen die Region und bedienen musikalisch denkbar unterschiedliche Klientele. Alle drei werden dem Jazzmarkt zugeordnet – alle drei also Nischenmusiker?

Der populärste Blechbläser mit großem Renommee und internationalen Kontakten heißt Paolo Fresu aus Sardinien, der beim Star Enrico Rava in Bologna in die Schule ging und später mit den Göttern der Jazzwelt verkehren durfte. Als Spezialität gilt sein leichter, beweglicher und sanfter Flügelhornton. Fresu spielt im Duett mit Omar Sosa, dem kubanischen Tastenkünstler, Kammerjazz vom Feinsten (15.5., Zeche Zollverein, Essen).

Reiner Winterschladen, trompetendes Urgestein aus dem Bergischen Land, drückt auch schon mal den Dämpfer auf seine Trompete, wenn Dominic Miller und die Sängerin Anna Maria Jopek mitjazzen. Mehr als zwanzig Jahre diente er in der NDR Big Band, für die multistilistischen Aufgaben war der Musiker aus Rock bis Free prädestiniert. Mit seiner Formation Nighthawks, einer Band zwischen Jazz und Electronics, 1998 benannt nach dem berühmten Hopper-Gemälde, gastiert er jetzt in Ratingens Friedenskirche (24.5.): Angeblich darf getanzt werden.

Gechillt werden darf im Konzerthaus Dortmund beim englischen Shootingstar Matthew Halsall und seinem Gondwana Orchestra (24.5.). Der Bandname bezeichnete – und da müssen bibelfeste Leser tapfer sein – vor rund 200 Millionen Jahren einen Großkontinent auf der Erde. Und so ursuppengemütlich klingt auch die archaische Musik der Band, augenfällig flankiert von einer Harfe, die im Song „Falling Water“ die Saiten von oben nach unten streicht. Dreier-Rhythmen prägen die beschwingteren Ausflüge, bei denen die Sidemen reichlich Raum für ausufernde Improvisation erhalten. Der Chef selbst lässt sich durch Tempo nicht aus der Ruhe bringen, er ist ein Meister des sparsamen Tons – was ihn in die Gefilde des spirituellen Jazz versetzt. Sein wahres Geheimnis liegt in der universalen Ausrichtung dieses Manchester-Gewächses. Er arbeitet seit 15 Jahren als Labelchef und Produzent, liebt Tonträger aus Vinyl und hält sich in seiner eigenen Band sehr bedeckt bis zurück. Viele Menschen lieben seine entspannte Musik – und deshalb sei sie hier erwähnt.

Olaf Weiden

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