Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
Foto: Andreas Lechtape

Tödlicher Strudel der Politik

30. September 2026

„Tosca“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen – Oper in NRW 10/26

Floria Tosca genießt im Rom des Jahres 1800 ihren Ruhm als Sängerin. Um die politischen Umstände kümmert sich die flamboyante Künstlerin nicht. Ganz anders ihr Liebhaber, der Maler Mario Cavaradossi. Der „Freigeist“ gehört zu den Parteigängern Napoleons. Mit dem berüchtigten Baron Scarpia, Drahtzieher eines gut organisierten Spitzelsystems im Dienst der antifranzösischen Besatzer Roms, ist er in gegenseitiger Abneigung verbunden. Den Polizeichef beschreibt er als wollüstigen Satyr, der hinter der Maske der Andacht seine Begierden tarnt – Sünder und Beichtvater zugleich.

Tosca, die ihren Mario eifersüchtig beargwöhnt, gerät in den tödlichen Strudel der Politik, als Cavaradossi einem aus der Engelsburg geflohenen Gefangenen hilft und ihn im Brunnen seiner Villa versteckt. Tosca kennt das Versteck, und Scarpia weiß genau, wie er die Wahrheit aus der gequälten Sängerin herauspresst. Aber er rechnet nicht mit dem Zorn einer gedemütigten Frau – und sie nicht mit dem langen Arm Scarpias.

Giacomo Puccini hat aus dem Politthriller des Dramatikers Victorien Sardou einen Opernkrimi geschaffen, der zu den beliebtesten Werken des italienischen Repertoires gehört: „Tosca“ ist die erste Inszenierung von Frank Hilbrich als neuer Intendant des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen. Mit GMD Rasmus Baumann am Pult der Neuen Philharmonie Westfalen kommt das melodiensatte Drama am 18. Oktober zur Premiere.

Für die alternierenden Sängerinnen Margarita Visone und Susanne Serfling eine Paraderolle: Tosca, die nur für die Kunst und für die Liebe lebt, kommt psychisch an ihre Grenzen und überschreitet sie in einem Akt mörderischer Selbstüberwindung. Eine Glanzrolle übernimmt auch der mexikanische Bariton Alejandro Lárraga Schleske vom Theater Gera-Altenburg: Um Scarpias elegante Verschlagenheit, seine mühsam getarnte Brutalität zu zeigen, braucht es einen ausgezeichneten Schauspieler, der überdies mit allen Facetten der Stimme zu spielen vermag. Alexander Eberles Chor schließlich darf in der großen Szene des „Te Deum“ am Ende des ersten Akts zeigen, welche Klangwucht er zu entfalten imstande ist.

Tosca | 18.10. (P), 23.10., 1., 7., 21.11., 27.12., 10.1., 19.2., 28.3., 10., 29.4. | Musiktheater im Revier Gelsenkirchen | 0209 409 72 00

Werner Häußner

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